Diskrete Art - DER SPIEGEL
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PALÄSTINENSER Diskrete Art

Ali Hassan Salameh, einer der Organisatoren des Olympia-Massakers von München, arbeitete jahrelang mit dem amerikanischen Geheimdienst CIA zusammen.
• aus DER SPIEGEL 11/1983
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Die Arbeit deutete auf Profis: Der Volkswagen, der am 22. Januar 1979 an einer belebten Kreuzung in West-Beirut parkte, war sorgfältig präpariert - mit Sprengstoffen und Stahlplatten, welche die Wucht der Explosion zur Seite lenken sollten.

Von einem nahe gelegenen Appartement aus wurde der Sprengsatz kurz nach 15.30 Uhr gezündet, genau in dem Augenblick, als ein Chevrolet-Kombi den VW passierte. Der Fahrer des Chevy starb kurz nach der Einlieferung in ein Krankenhaus.

Es war Ali Hassan Salameh, 37, auch bekannt als Abu Hassan, ein Vertrauter des PLO-Chefs Jassir Arafat, und einer der Organisatoren des Münchner Olympia-Massakers von 1972.

Wenig später informierte der damalige CIA-Chef Stansfield Turner seinen Präsidenten Jimmy Carter über den Anschlag: Amerikas Geheimdienst konnte es nicht beweisen, aber seine Experten waren überzeugt, das Attentat sei die Rache der Israelis gewesen. Jimmy Carter zeigte sich, so ein Teilnehmer der Besprechung, »besorgt« über den Anschlag.

Den Grund der Besorgnis enthüllte jetzt der amerikanische Journalist David Ignatius im New Yorker »Wall Street Journal«. Mehr als fünf Jahre lang, so Ignatius, habe Abu Hassan den amerikanischen Geheimdienst mit Informationen beliefert, die der Sicherheit von Amerikanern im Nahen Osten dienten; er habe außerdem als Verbindungsmann für diskrete Kontakte der Amerikaner zur PLO fungiert.

Das wußten, davon sind die Beamten der Carter-Administraion überzeugt, auch die Israelis. »Zusätzlich zur Rache«, so spekuliert ein ehemaliger Regierungsbeamter, habe ihnen das Attentat möglicherweise auch noch »politischen Gewinn« gebracht - die Unterbrechung der US-PLO-Verbindung.

Zu ersten geheimen Kontakten zwischen Palästinensern und US-Behörden war es Mitte 1973 gekommen. Auf Empfehlung des damaligen Sicherheitsberaters Henry Kissinger traf CIA-Vize Vernon Walters am 3. November in Marocko mit einem hohen PLO-Funktionär zusammen.

Der PLO ging es um die Anerkennung durch die USA, die Amerikaner versprachen sich größere Sicherheit für ihr Nahost-Personal. Erst im März waren zwei US-Diplomaten in Khartum von einer Splittergruppe des palästinensischen S.146 »Schwarzen September« ermordet worden.

Wenngleich das Treffen politisch nicht viel erbrachte, konnte Vernon Walters immerhin die Zusage mitnehmen, daß es von seiten der größten PLO-Gruppe, Arafats Fatah, nicht mehr zu Angriffen auf Amerikaner kommen werde.

Verantwortlich für die Einhaltung dieser Zusage war der Sicherheitschef der Fatah, Ali Hassan Salameh. Schon sechs Wochen später ließ er Kissinger die Warnung zukommen, bei dessen bevorstehendem Nahost-Besuch sei ein Mordanschlag geplant. Statt in der libanesischen Hauptstadt landete Kissingers Flugzeug auf einem Luftwaffenstützpunkt im Bekaa-Tal, und Salameh bot seine Kämpfer zum Schutz des amerikanischen Außenministers auf.

Wenn in den folgenden Jahren rivalisierende Palästinensergruppen Anschläge auf amerikanische Nahost-Bedienstete planten, war Abu Hassan zur Stelle und warnte rechtzeitig. Hermann Eilts, früher US-Botschafter in Ägypten und Saudi-Arabien, über Salameh: »Auf diskrete Art erwies er sich bei vielen Gelegenheiten als außerordentlich hilfreich, wenn es um die Sicherheit amerikanischer Bürger und Botschaftsangehöriger ging. Ich sehe seinen Tod als Verlust an.«

Eilts weiß, wovon er spricht; er war selbst Ziel eines Anschlages in Kairo, der von Abu Hassan verhindert wurde.

Als Ende Juni 1976, mitten im libanesischen Bürgerkrieg, 263 Europäer und Amerikaner aus Beirut evakuiert werden sollten, übernahm Abu Hassan die Sicherung des Unternehmens und erreichte, daß Präsident Ford und Außenminister Kissinger sich erstmals öffentlich bei der PLO bedankten.

Ermittlungsbeamte aus der Bundesrepublik, aus Japan und Italien, auf der Suche nach Informationen über Verbindungen zwischen eigenen Terroristen und Palästinensern, sind, so behaupten seine Freunde, ebenfalls von Salameh bedient worden.

Daß Abu Hassan überhaupt noch am Leben war, verdankte er zu diesem Zeitpunkt auch einem Fehler des israelischen Geheimdienstes Mossad: 1973 bereits hatten die israelischen Terroristenjäger geglaubt, den Mitverantwortlichen für das Olympia-Massaker gestellt zu haben.

Am 21. Juli jenes Jahres wurde im norwegischen Lillehammer ein Araber getötet, von dem die Israelis angenommen hatten, es handle sich um Abu Hassan. Als sich herausstellte, daß der Tote keineswegs ein Terrorist, sondern ein marokkanischer Kellner war, wurde die Verfolgung Salamehs anscheinend auf Jahre eingestellt.

Das änderte sich, so Rechercheur David Ignatius im »Wall Street Journal«, mit Amtsantritt des israelischen Premiers Menachem Begin. Die Israelis ließen der CIA die Nachricht zukommen, Salameh sei unverändert der von Israel meistgesuchte Terrorist. Die Amerikaner wiederum wollen daraufhin ihren PLO-Verbindungsmann gewarnt haben, der die Zahl seiner Leibwächter erhöhte.

Sein Tod 1979 hätte auch einem Agenten-Thriller entstammen können. Die tödliche Falle war in der Nähe eines Ortes aufgestellt, den der Palästinenser regelmäßig aufsuchte: der Wohnung seiner zweiten Frau, einer ehemaligen Miß Universum.

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