DOKUMENTATION
(Nr. 40/1988, Studenten und Interview mit Werner lt. Stichnote)
Gestatten Sie mir, zu zwei Beiträgen im SPIEGEL notwendige Korrekturen anzubringen. In Ihrem Bericht über Cohn-Bendit »Liebe anders« schreiben Sie von einer »Polizei-Leibwache« unter anderem für Thaddens Messebesuch. Dazu muß festgestellt werden, daß Adolf von Thadden zu keinem Zeitpunkt seines Besuchs auf der Frankfurter Buchmesse unter dem besonderen Schutz von Polizei gestanden hat. Herr von Thadden war -- überflüssig, dies eigens zu betonen -- ein Messebesucher wie jeder andere*. Auch das von Ihnen veröffentlichte Interview mit Werner E. Stichnote, dem neuen Vorsteher des Börsenvereins, bedarf einiger Ergänzungen:
1. Ihr Hinweis darauf, daß Stichnote mit den Stimmen von »nur 283 von 4930 Mitgliedern« zum Vorsteher gewählt wurde, verleitet zu falschen Schlüssen. Die Zahl der die Hauptversammlung des Börsenvereins besuchenden Mitglieder pendelt seit Jahren bei 300, so auch in diesem Jahr, wo die Hauptversammlung von 320 Mitgliedern besucht war. Zum Zeitpunkt der Wahl gaben 293 Mitglieder ihre Stimme ab, davon waren 210 für Werner E. Stichnote. 8 ungültig** und 73 Nein-Stimmen.
2. Es waren offensichtlich nicht nur diskussionsfreudige Studenten, die die Messe und die Friedenspreis-Verleihung
zu stören trachteten. Der Einbruch ins Gebäude des Börsenvereins am Hirschgraben und die Tatsache, daß dabei auch Geld entwendet wurde, rechtfertig wohl den Verdacht, daß auch kriminelle Elemente an den Störaktionen beteiligt waren.
3. Der Vorstand des Börsenvereins hat die Erstellung einer Dokumentation der Vorgänge auf der diesjährigen Messe sowie bei der Verleihung des Friedenspreises in Auftrag gegeben. Diese Dokumentation wird der Öffentlichkeit übergeben werden, um Fehlinterpretationen der vorgefallenen Ereignisse auszuräumen.
Frankfurt ALEXANDER U. MARTENS***
Herr Stichnote, der neue Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V., irrt: das in Ihrem Interview erwähnte Gespräch mit mir (und nicht nur mit mir) über eine rechtsreaktionäre Unterwanderung des Börsenver-
* Obwohl die Halle 6 »wegen der Gefahr von Demonstrationen« selbst für Buchhändler geschlossen war, durfte von Thadden um 14.30 Uhr -- ungehindert die Polizeisperren passieren. -- Red.
** Bei der SPIEGEL-Zählung waren die acht ungültigen Stimmen bereits abgezogen. -- Red.
*** Leiter der Abteilung für Information und Öffentlichkeitsarbeit des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V.
eins fand keineswegs »auf der Messe« statt, sondern im »Frankfurter Hof«
ab Mitternacht bis drei Uhr früh. Dort bekam Herr Stichnote von mir die penetrant wiederholte Behauptung zu hören, der den Börsenverein beherrschende militante Rechtsdrall sei schwerlich ertragbar. Insofern hat er recht, wenn er beklagt, »auf der Messe« hätte ich ihm dergleichen nicht mitgeteilt; dort sind wir einander nicht begegnet. Feldafing (Bayern)
LOTHAR-GÜNTHER BUCHHEIM
* Inhaber des Buchheim Verlages