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RUMÄNIEN Dollar oder Mark

Anders als Honecker und Schiwkoff hat sich Rumäniens Ceausescu Moskau nicht gefügt: Er wollte nach Bonn. *
• aus DER SPIEGEL 41/1984
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Es ist ganz sicher: Er kommt«, bekräftigte vorige Woche ein rumänischer Diplomat in Bonn. Ob er, der »Conducator« Rumäniens, Nicolae Ceausescu, tatsächlich nach Bonn kommen würde, oder wie die bereits avisierten Bonn-Gäste Honecker und Schiwkoff die Reise auf Verlangen Moskaus wieder absagen müsse, schien tagelang offen.

Dabei hatte Ceausescus Außenminister Stefan Andrei nur eine Woche zuvor bei der Uno erneut Unabhängigkeit demonstriert: Während Moskaus Gromyko den Westen hart annahm, verlangte der Rumäne sofortigen Stopp der Raketenrüstung in West und Ost - schrille Dissonanz im Chor der Moskau-folgsamen Blockpartner.

Außenpolitische Alleingänge bei gleichzeitig unverändert harter Innenpolitik und überspanntem Personenkult sind längst zum Markenzeichen des Nationalkommunisten Ceausescu geworden, seit er vor nunmehr 19 Jahren an die Spitze der Partei aufstieg.

1967 nahm Rumänien als erstes Ostblockland nach der Sowjet-Union volle diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik auf - gegen den Willen des Kreml. Nach dem Nahostkrieg im Juni weigerte sich Rumänien, die diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen, wie von Moskau befohlen.

Schon damals gefiel sich Ceausescu in der Rolle eines Maklers und Mittlers und strebte eine unabhängige, blockübergreifende Rolle für sein Land an.

Ceausescu war es, der 1972 die Weichen für die Friedensgespräche über Vietnam zwischen dem Amerikaner Kissinger und dem Emissär aus Hanoi, Le Duc Tho, stellte. Sechs Jahre später - am Grenzfluß Ussuri schossen sowjetische und chinesische Soldaten aufeinander - flog er demonstrativ zum Staatsbesuch nach Peking und in die USA.

Bei seinen zahlreichen diplomatischen Missionen hat Ceausescu selten zur Lösung eines Problems Wesentliches beigetragen. Und prädestiniert zu einer internationalen Maklerrolle ist der Bauernsohn aus der Walachei nicht gerade: Er spricht keine fremden Sprachen und hat selbst im Rumänischen Schwierigkeiten, sich ohne präparierten Text mitzuteilen. Er scheut Fremde, wirkt in Gesellschaft steif und verlegen.

Seine Ambition zu vermitteln hat ihn zum Einzelgänger im sozialistischen Lager gemacht. Daß Moskau trotz wiederholter Drohungen bisher nie versuchte, den Widerspenstigen gewaltsam ins Glied zu zwingen, mag damit zusammenhängen, daß die Sowjet-Union von der gewagten Politik des Rumänen gelegentlich profitiert und es nicht die geringsten Anzeichen gibt, daß Ceausescu intern den Kommunismus auflockern oder gar aufgeben könnte.

Erfolgreich hat sich Rumänien gegen die Anerkennung der Moskauer Doktrin von der begrenzten Souveränität der Blockstaaten gewehrt; es beteiligt sich nicht an den jährlichen Manövern des Warschauer Pakts und war das einzige Ostblockland, das sich weigerte, seinen Wehretat zu erhöhen.

Noch mutiger: Schon vor zehn Jahren stellte Ceausescu öffentlich den Sinn der supranationalen Militärbündnisse in Frage und fordert seither, Warschauer Pakt und Nato gleichzeitig aufzulösen. Der eigene Standpunkt in der Sicherheitspolitik hat Ceausescu logischerweise auch zum Ost-Abweichler in der Raketendiskussion gemacht.

So war es Ceausescu, der im Juni 1983 bei einem Treffen der Partei- und Regierungschefs die vom Kreml entwickelte Strategie einer Nach-Nachrüstung angriff: Es sei eine »falsche These, eine Aufstockung des Kriegspotentials könne dem Frieden und der Sicherheit der Völker dienen«.

Wenig später war er für den vollständigen Abbau der Raketen in Ost und West und kam damit der vom US-Präsidenten Reagan angeregten »Null-Lösung« sehr nahe. Nach dem Scheitern der Genfer Konferenz hielt er einen nur teilweisen Abzug der Ost-Raketen doch für praktikabler - das sah nach Einschwenken auf Moskau-Kurs aus.

In den Vorverhandlungen zur Bonn-Reise haben die Rumänen mit Erfolg versucht, den Prestigewert des Ceausescu-Besuchs hochzutreiben. So wird der Staatsgast schon auf dem Flugplatz von Außenminister Genscher empfangen und anschließend vom Bundespräsidenten von Weizsäcker mit militärischen Ehren begrüßt.

Für Ceausescu, der spektakuläre Gesten liebt, sind das wohl Zeichen, die Moskau gegenüber dartun sollen, daß er nicht als Bittsteller in Bonn auftritt.

Wenig Freude dürfte der Gast vom Balkan an Gesprächen über das Schicksal der Deutschen in seinem Land haben. Die meisten der noch rund 300 000 Rumänien-Deutschen wollen das Land verlassen, weil sie sich diskriminiert fühlen. Erst kürzlich hat der Europarat die unmenschliche Behandlung der völkischen Minderheiten verurteilt.

Aber kommen wollte er: Rumänien, durch ein zu aufwendig geratenes Industrieprogramm und eine schlecht geführte Landwirtschaftspolitik seit Jahren in einer ökonomischen Dauerkrise, ist im Westen hoch verschuldet und braucht dringend neue Kredite.

Moskau ist nur bereit zu helfen, wenn sich Ceausescu der Linie des Kreml anpaßt, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, zu deren Mitgliedern Rumänien gehört, verlangen vor neuen Zahlungen die Vorlage eines vernünftigen Wirtschaftskonzepts - aber genau das verweigern die Rumänen aus Furcht um ihre Souveränität.

So dürfte der Prestige-Gast aus dem Osten die Bonner Regierung auch einiges kosten. Ein Kanzler-Berater: »Es ist nur noch die Frage, ob er die Summe in Mark oder Dollar abholen kann.« _(Am 21. August in Bukarest bei der ) _(Verleihung des Ordens »Stern der ) _(Sozialistischen Republik Rumänien«. )

Am 21. August in Bukarest bei der Verleihung des Ordens »Stern derSozialistischen Republik Rumänien«.

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