DOSTOJEWSKI
(Nr. 5/1956, Literatur, und Nr. 7/1956, Briefe)
... Was die Bolschewiki während des letzten »patriotischen« Krieges an Dostojewski mit Recht schätzten vor allem seinen unbeirrbaren Glauben an die (nicht nur militärische) Unbesiegbarkeit von Mütterchen Rußland -, eben das machte ihn den Lenkern unserer geistigen Kriegsführung im totalen Krieg so suspekt, daß ihn die NS-Propagandisten kurzerhand auf die Liste der im Großdeutschen Reich verpönten Autoren setzten.
Weiter: Der Nachlaß Dostojewskis ist nur in deutscher Sprache veröffentlicht worden! Gerade der Nachlaß aber ist es, der bei Dostojewski vollen Aufschluß über die wahren politischen Ideen des Dichters gibt; es ist mehr als zweifelhaft, ob man sich jetzt in der UdSSR auch zu einer Veröffentlichung dieses Nachlasses entschließen wird.
Düsseldorf DR. PHIL. MARTIN LICHTENFELD
Wie mir die noch lebenden Angehörigen Dostojewskis persönlichmitteilen, kommen die gesammelten Werke in einer Auflage von 200 000 heraus. - Nicht nur »Die Brüder Karamasoff« werden in Moskau festlich aufgeführt, in Vorbereitung sind auch Bühnenfassungen von »Onkelchens Traum«, »Der Idiot« und »Der Spieler«.
Zwei Miethäuser, in denen der Dichter wohnte, schmückt man mit Ehrentafeln. Die Moskauer Straße, in der das Dostojewski-Museum liegt, ist jetzt nach ihm umgetauft. Sein Denkmal ist wiederhergestellt und das von seiner Gattin Anna gegründete Museum selbst bedeutend erweitert. Dort, in repräsentativem Rahmen, hält Enkel Andrej von Dostojewski die Festrede über Anna Grigorjewna Dostojewski als Frau, Helferin und treue Kameradin.
Mönchen-Gladbach BERNHARD SCHUHMACHER