Draußen vor der Tür - DER SPIEGEL
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POSENER MESSE Draußen vor der Tür

• aus DER SPIEGEL 26/1961
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Nicht eintreten« mahnte die rote Leuchtschrift an der Tür zur Prominenten-Kabine des Standes der Firma Fried. Krupp auf der Internationalen Industrie-Messe 1961 im polnischen Posen. Es war am vorletzten Sonntag, kurz vor 18 Uhr, und Alfried Krupps Generalbevollmächtigter Berthold Beitz empfing die Spitzen des polnischen Staates. KP-Führer Gomulka, Ministerpräsident Cyrankiewicz und vier polnische Wirtschaftsfachleute saßen mit Beitz und dem Krupp-Direktor Carl Hundhausen vor dampfendem Kaffee.

Draußen vor der Tür ging derweil ein älterer Herr von kleiner Statur unruhig auf und ab. Mehrmals näherte er sich dem verschlossenen Séparée und versuchte einzudringen, wurde aber jedesmal von einem der zahlreichen Krupp-Wächter abgewiesen. Schließlich, resignierte er und trank mit den Leibgardisten der polnischen Staatselite Fruchtsäfte.

Dabei war Dr. Edgar Schulz-Fincke, Ministerialrat und Leiter des Referats »Fragen des Messe- und Ausstellungswesens« im Bundeswirtschaftsministerium, in bester Gesellschaft und bester Absicht nach Posen gekommen. Hinter Berthold Beitz war er aus dem Kruppschen Firmenflugzeug des Typs »Lear -Star« geklettert, erfüllt von dem Bonner Auftrag, im deutschen Pavillon die Bundesregierung zu vertreten.

Der Beamte mochte sich von seinen

Posener Tagen um so mehr versprechen, als die Bonner Diplomatie seit kurzem grünes Licht für freundliche Gesten gegenüber den Polen hat. Nachdem schon Präsident Kennedy dem Kanzler in Washington persönlich ein tatkräftiges Bemühen um die Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen anempfohlen hatte, war dieser amerikanische Wunsch jüngst in Bonn von Kennedys Abgesandtem Kohler abermals nachdrücklich vorgetragen worden.

Indes, der New Look der Bonner Polen-Politik (SPIEGEL 25/1961) hatte auf die Mission von Schulz-Fincke noch keinen Einfluß gehabt: Getreu der Hallstein Doktrin, die offizielle Kontakte mit allen Freunden des Sowjetzonenstaats verbietet, war der Minsterialrat den Polen nicht als Vertreter Bonns avisiert worden. Er hatte deshalb auch keine offizielle Einladung zur. Messe erhalten.

Als sein glücklicherer Reisegefährte Beitz von den Polen zum Empfangsessen gebeten wurde, erkundigte der sich, wo denn der Bonner Ministerialrat geblieben sei. »Wir haben nichts mit ihm zu tun«, antworteten kühl die Polen. Sie hatten den Beamten kurzerhand vor einem Posener Hotel abgeladen und ihn sich selbst überlassen.

So mußte Edgar Schulz-Fincke denn auch der Betreuung durch Warschauer Nachwuchsdiplomaten entraten, die den Vertretern anderer Regierungen zuteil wurde. Statt des Abends opulent ausgeführt zu werden, wanderte er einsam durch die Straßen Posens.

Am Sonntagnachmittag endlich schien seine Stunde doch noch zu kommen: Er durfte die polnischen Staatsführer im deutschen Pavillon als Hausherr willkommen heißen und geleitete die Gäste durch alle Firmenstände - bis Gomulka

den Wunsch äußerte, mit seiner Begleitung bei Beitz eine Tasse Kaffee zu trinken.

So geschah es. Und wieder wurde es einsam um den Ministerialrat aus Bonn.

Vom Inhalt des 18 Minuten dauernden Gesprächs - man unterhielt sich über den neuen deutsch-polnischen Handelsvertrag und einen Kunstkatalog des Hauses Krupp, der einige Bilder aus polnischen Museen zeigt - konnte der Unglückliche seinen Bonner Vorgesetzten daher nichts vermelden.

Der, polnische Kommunistenführer Gomulka fand sich nicht einmal bereit, den abgehalfterten Schulz-Fincke mit einer Abschiedsfloskel zu trösten. Vielmehr war es Berthold Beitz, dem Gomulka beim Verlassen des Krupp-Standes schöne Grüße an den »Genossen Adenauer« auftrug.

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