Drinnen oder draußen - DER SPIEGEL
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CSU Drinnen oder draußen

Es kriselt weiter in der CSU: Wieder kehrte ein Bundestagsabgeordneter der Strauß-Partei den Rücken. *
• aus DER SPIEGEL 44/1983
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Ekkehard Voigt, 43, Oberstleutnant a. D. und Bundestagsabgeordneter, wirkt wie das Musterbild eines CSU-Mitglieds: Sohn eines Offiziers, Vater von vier Kindern, Hochgebirgsjäger, Stadtrat im heimatlichen Sonthofen, Hobbymaler in der kargen Freizeit.

Nach der scharfen Sonthofener Rede von Franz Josef Strauß hat er wie selbstverständlich »die Position des CSU-Vorsitzenden« vertreten. Der Kreuther Trennungsbeschluß hätte ihm gar nicht schlecht gefallen, um endlich »die CSU bundesweit zu vertreten«. Für Strauß ging der CSU-Wehrpolitiker sogar in die sowjetische Botschaft, um für den Meister Gesprächstermine zu arrangieren. Denn dem Parteivorsitzenden hat Voigt »stets intensiv zugearbeitet«.

Doch seit dem von Strauß eingefädelten Milliardenkredit an die DDR war dem »ersten und einzigen Berufssoldaten« (Voigt), der die CSU im Bundestag vertritt, nicht mehr richtig wohl in der CSU. Schon in einer ersten Aufwallung bezeichnete er den Strauß-Handel als »politisches Schiebergeschäft«, und am Mittwoch vergangener Woche trat er nach einer Inkubationszeit von einem Vierteljahr aus der Partei aus.

In einem langen Brief an Strauß erläuterte Voigt, wie er seit seinen kritischen Worten vom Juli als Abgeordneter »behindert«, als CSU-Landesgruppenmitglied »unter Druck gesetzt«, als Vorsitzender des Wehrpolitischen Arbeitskreises »diffamiert« und »als Person beleidigt« worden sei. In der CSU herrschten nämlich »Duckmäusertum, Anpassung und Einschüchterungsaktionen gegenüber Demokraten«.

Voigt untermalt seine Vorwürfe mit einer Szene auf dem jüngsten CSU-Parteitag, wo ihn der CSU-Generalsekretär Otto Wiesheu mit den Worten in Empfang genommen habe: »Du Lump, du verlogener, du Sauhund.« Andere Injurien von anderen Parteifreunden ließ Voigt lieber unerwähnt. So etwa wurde der aus Brandenburg stammende CSU-Wehrpolitiker plötzlich als »preußischer Barrashengst« abgetan.

Dem bayrischen Wirtschaftsminister Anton Jaumann war zu dem Kredit-Kritiker nur noch eingefallen: »Dieser Mann ist doch immer high.« Strauß-Adjutant Edmund Stoiber, wie immer vorneweg, warnte seine örtlichen Parteifreunde gar vor dem erst im September mit 102 von 117 Stimmen als Vorsitzender des Wehrpolitischen Arbeitskreises bestätigten Voigt: »Wie könnt ihr den noch als Referenten einladen?«

CSU-Landesgruppenchef Theo Waigel mochte gegen den kritischen MdB-Kollegen

nur deshalb nicht gleich mit Rausschmißdrohungen und Parteiordnungsmaßnahmen vorgehen, um nicht einen »Märtyrer« zu schaffen. Doch ziemlich unmißverständlich gab er dem ungewohnt widerspenstigen Parteifreund zu verstehen: »Es gibt nur drinnen oder draußen.«

Voigt entschied sich für draußen und schrieb dem Parteivorsitzenden Strauß zum Abschied: »Die CSU hat die Chance nach Verwirklichung innerparteilicher Demokratie vertan - Sie auch.«

Mehr als die gelegentlichen örtlichen Aufwallungen gegen eine durch satte Mehrheiten verfettete Staatspartei muß die CSU berühren, daß nun mit dem Wehrpolitischen Arbeitskreis ein Kernbereich dieser so wehrhaften und wehrwilligen Partei in die Brüche geht.

Nachdem früher der 7000 Köpfe zählende CSU-Wehrmännerbund von allzu nachdrücklichen Friedensfreunden wie dem Starnberger Forscher Alfred Mechtersheimer gesäubert werden mußte (SPIEGEL 18/1981), driftet nun quasi in entgegengesetzter Richtung die Mannschaft davon. Vor Voigt war nämlich bereits der Bundestagsabgeordnete Franz Handlos aus dem Bayerischen Wald aus dem CSU-Wehr-Bund ausgeschieden, weil er mit Strauß und seiner unerwarteten Wende in der Ostpolitik nicht mehr einverstanden war (SPIEGEL 31/1983).

Handlos und Voigt stehen miteinander in Kontakt - schon deshalb, weil Handlos Ende November eine neue Partei aus der Taufe heben will und Voigt dort einen neuen wehrpolitischen Arbeitskreis übernehmen wird. Weitere Überläufer aus der CSU haben sich angeblich bereits angemeldet. Voigt: »Wenn ich gehe, gehe ich nicht allein.«

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