Hausmitteilung Drogen
Der Polizist, der die SPIEGEL-Redakteurin Ariane Barth 1989 durch das Hamburger Stadtviertel St. Georg begleitete, war entsetzt über das Elend der jungen Prostituierten in diesem Drogenrevier. Man müsse, so damals der Beamte, die Rauschgiftabgabe in staatliche Hände legen - dann werde es auch ein Ende haben mit dieser stetig ausufernden Kriminalität von Dealern und Junkies. Unterdessen hat sich soviel Einsicht bundesweit verbreitet: Eine Mehrheit der Polizeichefs in den deutschen Metropolen, also wiederum Leute aus der Praxis, betrachtet die herkömmliche Drogenpolitik als gescheitert und fordert radikale Umkehr - kontrollierte Versorgung der Süchtigen mit Stoff, verschärfter Kampf gegen die etablierten Händlerringe. Selbst das Parteibuch, so erfuhr Barth, die 1986 mit einem Bericht über Drogen-Substitution durch Methadon die Diskussion über dieses Thema in Gang setzte und nun wieder ein Titel-Stück schrieb (Seite 40), spielt bei diesem Plädoyer für eine »Notstandslösung« keine Rolle mehr, Sozial- und Christdemokraten halten den Schulterschluß.
Wie erbärmlich die Lage sogar den Süchtigen erscheint, erlebten SPIEGEL-Redakteure letzte Woche bei ihren Recherchen zu einer rätselhaften Todesserie, die in Bremen das Dilemma der Drogenbekämpfung wieder mal ins Licht gerückt hatte. Als die SPIEGEL-Leute an einem Junkie-Treffpunkt nach einem der Überlebenden fragten, wurde zwar längere Zeit beraten, aber dann doch entschieden, den Kontakt zu diesem Leidensgenossen herzustellen - auch deshalb, so hieß es, um den Journalisten einmal die dreckigste Seite des Milieus zu präsentieren. Wie trostlos das ist, zeigen die Fotos in dem Bericht von Bert Gamerschlag, Sebastian Knauer und Dietmar Pieper (Seite 36).