DRUCKSACHE
Sie enthüllen nun endlich ein lange gehütetes Geheimnis: Der SPIEGEL wird bei Springer gedruckt. Ihre Begründung. Er muß bei Springer gedruckt werden.
Mit Statistiken und penetranter Schnoddrigkeit versuchen Sie vergeblich, Ihre Verlegenheit zu verbergen. Wenn es um Geschäfte geht, gibt es auch für Sie keine Prinzipien, Moral oder Ehrbegriffe. »Alle Geschäftsleute sind Hurensöhne«, sagte der Vater Präsident Kennedys. Sie machen da keine Ausnahme. Natürlich werden Sie auch in Zukunft das »Bild«-Maul angreifen und kritisieren, das gehört doch einfach zum Geschäft, Sie brauchen sich damit nicht großartig zu brüsten.
Viele Ihrer Leser hätten sicher gern zwei Mark oder mehr für ein SPIEGEL Exemplar gezahlt, wenn vermieden worden wäre, was doch zu vermeiden gewesen wäre. Und dann noch gleich einen Zehnjahresvertrag! Zum Kotzen! Schon wenn ich die großen »Hör zu«-Anzeigen im SPIEGEL sehe, wird mir übel.
Wann gründet Rudolf Augstein einen neuen SPIEGEL?
Mit Bedauern!
Lindenberg (Bayern) R. HOLTZBERG
Ihre Erklärung, warum Sie bei Springer drucken lassen werden, hat mich durchaus überzeugt. Dennoch, der Gedanke an die sicher sehr bedeutenden Summen, die Springer daran verdient, ist doch sehr schmerzlich. Ihnen auch?
Berlin PETER SCHWARZ
In Ihrer Hausmitteilung verdeckt die schnoddrige Eloquenz nur mühsam ihr schlechtes Gewissen ... An mir soll Springer jedenfalls auch mittelbar nicht verdienen. Vielleicht denken noch mehr SPIEGEL-Leser so und verhelfen dem SPIEGEL durch Abbestellungen zu einer so kleinen Auflage, daß er Springers Druckerei nicht braucht.
Winnenden (Bad.-Württ.)
HARTMUT HOFFMANN
... empfinde ich die Ankündigung als Blasphemie - als Verrat der von Ihnen scheinbar so eindringlich verteidigten Meinungsfreiheit ... Mir jedenfalls wäre ein SPIEGEL auf Toilettenpapier immer noch lieber als der im Kupfertiefdruckverfahren von Springer gefertigte!
Hamburg GÜNTER BRACHVOCEL,
Ich glaube, viele SPIEGEL-Leser (wohl die meisten) möchten lieber einen SPIEGEL im Zeitungsdruckverfahren als einen, der auch nur im geringsten zu dem Verdacht Anlaß geben könnte, er hätte nicht mehr die alte Unabhängigkeit. Lieber sollte der SPIEGEL (wegen der vielleicht geringeren Anzeigeneinnahmen) am Kiosk ein paar Groschen teurer werden, als daß er - wenn auch nur auf technischem und kaufmännischem Gebiet - zur Machtkonzentration des Hauses Springer beiträgt. Mit Unbehagen und Bedauern grüßt
Beerfelden (Hessen) JOHANN GEYER
Als vor einiger Zeit die Tatsache bekannt wurde, daß der SPIEGEL in den technischen Betrieben des Springer -Konzerns hergestellt werden würde, mußten Sie doch damit rechnen, daß gerade bei denen, die sich zu Ihrer kritischen Einstellung zu den Gefahren einer Monopolisierung der Meinungsbildung bekennen, ein Schock entstehen würde. So ist es, ehrlich gesagt, auch mir ergangen.
Unter diesem Gesichtspunkt finde ich es weder klug noch taktvoll, noch gerechtfertigt, daß Sie gerade diese Leute, die ehrlich besorgt sind, daß vielleicht eine ständige Geschäftsverbindung zum Springer-Konzern - und um eine solche handelt es sich doch auf lange Sicht - irgendwie im Laufe der Zeit nicht ganz ohne irgendeinen Einfluß auf die Behandlung des »Springer -Komplexes« bleiben könnte, ein wenig süffisant als »Klugschnacker« abtun wollen.
Berlin F. W. PETERS
Zweimaliger Gebrauch des dümmlich polemisierenden Ausdrucks »Klugschnacker« entspricht nicht gewohntem kühl-gelassenem SPIEGEL-Stil ... Sollte trotz aller Argumente eine unbeherrschte Abwehr das Berühren eines wunden Punktes offenbaren?
Hamburg BERND KORNMACHER
... haben Sie uns SPIEGEL-Leser darüber belehrt, daß es sich bei Ihrer Entscheidung, den SPIEGEL bei Springer drucken zu lassen, um ein Fertigungsproblemn großindustriellen Zuschnitts handelt und nicht um eine Entscheidung nach Belieben. Das heißt doch soviel: Wenn Sie sich einmal Springer in die Hand gegeben haben, Ihnen nur die Wahl bleibt, im Druck von Springer zu erscheinen oder - da sich in einem Fall der Unstimmigkeit kaum eine so leistungsfähige Druckerei einfach vom Nagel nehmen läßt - gar nicht. Und da fragen Sie noch, ob es denkbar sei, daß der SPIEGEL nur wegen drucktechnischer Zusammenarbeit Springer nicht mehr kritisiere und vice versa. Leider ist das durchaus denkbar, undenkbar ist vielmehr, daß es nicht so sei. Jedenfalls haben Sie uns Klugschnackern das begreiflich gemacht.
Budapest DR. GEZA ENGL
Damit haben Sie uns, den treuen SPIEGEL-Lesern, den größten Alptraum aller Zeiten präsentiert. Schade! Nun warten wir alle besorgt auf den ersten Montag ohne SPIEGEL - wegen Stromausfall in Darmstadt und Ahrensburg.
Hannover PETER BORNEBUSCH