Dürre Äste - DER SPIEGEL
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BAYERN Dürre Äste

• aus DER SPIEGEL 31/1966
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Mit Müh und Not und acht Mann zog die Bayernpartei (BP) 1962 bei den bayrischen Landtagswahlen gerade noch ins Münchner Parlament ein. Ein neunter BP-Mann erwies sich als der wichtigste: Die CSU machte den Regierungsdirektor Robert Wehgartner, 57, zum Staatssekretär im Innenministerium, und die BP durfte somit mitregieren.

Dreieinhalb Jahre danach, am Mittwoch letzter Woche, verlor die BP ihren wichtigsten Mann von 1962 und die Mitregentschaft: Wehgartner ging zur CSU, die BP in die Opposition.

Zwar wäre die CSU schon nach der Regierungsbildung im November 1962 ohne die BP ebensogut zurechtgekommen, wie sie jetzt ohne Koalitionspartner zurechtkommen wird: Sie stellte ohnehin mehr als die Hälfte aller Volksvertreter. Aber die CSU legte Wert auf demokratische Optik und scheute die Kritik der föderalistischen BP.

Je mehr es mit ihr bergab gegangen war, desto zäher hatte sich die BP an die CSU zu klammern versucht.

Unter Josef Baumgartner war die Bayernpartei einst eine amorphe Masse von Leuten verschiedenster Herkunft gewesen, die eine konservative Abneigung gegen den Sozialismus, eine sozialistisch-liberale Verachtung des Klerikalismus und eine fromme Furcht vor dem Liberalismus zusammenhielt. Die BP hatte sogar im Bundestag gesessen, und 1950 - zur Zeit ihrer Blüte - zog sie mit 39 Mann in den Landtag.

Mit Baumgartner Pepperl ging ihr weißblauer Stern auf, mit ihm begann das Elend der BP. Baumgartners angeblicher Spielbanken-Meineid (SPIEGEL 34/1959) kompromittierte gleich auch seinen ganzen Haufen. Verschreckt erkor sich die Partei in dem Münchner Rechtsanwalt Josef Panholzer einen neuen Chef. Ihm ging der Ruf voraus, gute persönliche Beziehungen zu den maßgebenden Männern des Landes - im CSU-Hauptquartier und im erzbischöflichen Ordinariat - zu haben.

Gleichwohl verschmähte die CSU Fanholzer, als sie 1962 nach den Landtagswahlen auf der Suche nach einem BP-Aushängeschild war. Sie holte statt dessen den funktionslosen Bayernparteiler Robert Wehgartner in die Regierung, und die CSU-fromm gewordene BP reagierte, wie es sich für sie gehörte: Sie wählte Panholzer ab und machte Wehgartner zum Nachfolger.

Die Anbiederungsversuche des neuen Landesvorsitzenden bei der CSU waren zwar intensiv, blieben aber im wesentlichsten Punkt ohne Erfolg: Der große Koalitionspartner lehnte es ab, dem kleinen bei der nächsten Landtagswahl im November 1966 behilflich zu sein. Allenfalls sei er bereit, einzelne ihm genehme Bayernparteiler hier oder dort auf CSU-Listen unterzubringen.

Möglicherweise hätte die CSU bei geschicktem Ködern die BP zu Tode umarmen können und sie damit im Effekt lautlos aufgesogen. So aber wurde es den alten Baumgartner-Getreuen vom Schlage des Parteigründers Ludwig Max Lallinger zuviel. Sie drängten nach vorn und scheuchten Wehgartner davon.

Neuer BP-Chef wurde der Oberregierungsrat im Finanzministerium, Helmut Kalkbrenner, 35, der gleich eine neue Parole ausgab: »Wenn wir alle zusammenhalten, wird es uns gelingen, die Bayernpartei wieder hochzubringen.« Kalkbrenner hoffte auf einen BP-Alleingang bei den nächsten Wahlen unter Befolgung strengster Parteidisziplin.

Andere Kalkbrenner-Losungen im Stile Josef Baumgartners mißfielen BP -Funktionären; sie traten aus. Einige Funktionäre mißfielen Kalkbrenner; er ließ sie ausschließen. Und auf Versammlungen verglich er seine Gefolgsleute mit den Märtyrern der frühen Christenheit und die Partei mit einem Baum, der sich seiner dürren Äste entledige.

Vom forschen Kalkbrenner fühlte sich auch Wehgartner angesprochen: Der Staatssekretär gab bekannt, er trete zur CSU über und bleibe im übrigen natürlich im Amt. Die BP reagierte verblüfft: Wenn dem so sei, befände sie sich eben in der Opposition.

Neunter BP-Mann war Wehgartner ohnehin nicht mehr gewesen. Durch Übertritte in andere Parteien hat sich die Fraktion von 1962 mittlerweile auf fünf Köpfe reduziert.

Bayrischer Staatssekretär Wehgartner

Abschied vom neunten Mann

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