Fernsehen Düstere Vision
Das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem ist am Ende. Studios stehen leer, Funkfilialen werden stillgelegt. Massenentlassungen drohen. Der Intendant resigniert, der Rundfunkrat erklärt seine Ohnmacht: Das vom Großkapital abhängige Privatfernsehen hat sich endgültig in der Bundesrepublik durchgesetzt.
Diese düstere Vision war Teil eines Planspiels, das Mitte November in einem ersten Fortbildungsseminar aller deutschen Fernsehanstalten in einem Kurhotel bei Freudenstadt abgehalten worden ist. Sieben Tage lang haben rund 50 ARD- und ZDF-Mitarbeiter »Modelle für den nichtkommerziellen Rundfunk der achtziger Jahre« (Titel der Klausurtagung) durchgespielt.
Futurologie, freilich, war nicht der eigentliche Sinn der Veranstaltung. In erster Linie sollten »politische Verhaltensweisen eingeübt, die Teilnehmer aktiviert und ihr Verständnis für komplizierte Verhaltensweisen vergrößert werden« -- so der für Fortbildung in der ARD zuständige Südwestfunk-Intendant Helmut Hammerschmidt.
Bei der Planung des Spiels waren die Organisatoren (Mitveranstalter: die Bonner Bundeszentrale für politische Bildung) von einer realen, den Spielern vertrauten Situation ausgegangen -- einer typischen Funkanstalt mit typischen Konflikten: Die Hörspielabteilung soll aus Ersparnisgründen aufgelöst werden; eine kritische Dokumentation über TV-Reklame wird vom Intendanten abgesetzt, um die Wirtschaft nicht zu verärgern; eine Partei fühlt sich von der »nicht ausgewogenen« Sendung »Politik heute« benachteiligt und fordert Gegen-Sendezeit.
Diese Probleme hatten die Spielgruppen -- Intendant, Rundfunkrat, Personalrat, Redakteure, Programmgestalter, Partei A, Partei B, Wirtschaft und Verleger -- ihren Interessen entsprechend zu lösen und dabei auf die Aktionen der anderen Gruppen zu reagieren. Jede Handlung wurde zu späterer Auswertung registriert.
Eine zweite Spielphase ging von der (möglichen) Situation am Ende der siebziger Jahre aus: Wirtschaftsriesen bestimmen den Kassetten-Markt und produzieren einen Großteil des Unterhaltungs- und Bildungsfernsehens; die Werbeeinnahmen der bisherigen Sender sind existenzbedrohend zurückgegangen; mächtige Bürgerinitiativen verlangen eigene Sendezeit; das private Fernsehen steht unmittelbar bevor. Spätestens dann, das haben die beiden Spielphasen ergeben, werden auch die bisherigen Machtinstanzen des öffentlich-rechtlichen Systems von Wirtschaftsinteressen überrollt. Spätestens dann kämpfen auch die Intendanten und Rundfunkräte mit dem Rücken zur Wand.
Zwar räumt Tagungsleiter Franklin Schultheiß von der Bonner Bundeszentrale ein, diese Erkenntnisse seien nur Ergebnis eines »unverbindlichen, in seinen Entscheidungen zufälligen Spielverlaufs. Dennoch bleibt das Ergebnis interessant. Denn die Teilnehmer, sämtlich gutinformierte Fachleute aus den Funkanstalten, wurden von »Sachzwängen und der Logik des Rollenspiels« zu einer pessimistischen Prognose gedrängt:
Die Bemühungen der Redakteure. Programmgestalter und des Personalrats müßten -- sofern sich die Entscheidungsprozesse nicht vorher auch in Redaktions- und Personalausschüsse verlagern und damit eine einheitliche Taktik aller Betroffenen möglich machen -- »an bestehenden Machtstrukturen und gesetzlichen Vorschriften scheitern«. Sieger wären, so die Protokollnotizen, die Wirtschaft und die CDU.
* 2. v. 1: Franklin Schultheiß. stellvertretender Direktor der Bundeszentrale für Politische Bildung.
gramm des Cyanid-Salzes genügt, die »Versuchsperson« nebst Anhang umzubringen.
Seit dieser Kostprobe sind 140 Jahre vergangen. Cyanide« Salze der Blausäure, wurden derweilen zu vielgebrauchten und deshalb gefürchteten Giften. Jeder größere metallverarbeitende Betrieb benötigt sie -- etwa zum Härten von Zahnrädern oder Zylindern. Übrig bleiben erstarrte Härtesalzrückstände oder cyanidhaltige Lösungen, die nicht weniger giftig sind als das Ausgangsprodukt.
Rund 7000 Tonnen Cyanide fallen jährlich in der Bundesrepublik ab. Sie auf chemischem Wege, etwa mit Hilfe von Chlor, in harmlose Substanzen umzuwandeln, ist aufwendig (pro Tonne 1000 Mark). Die Metallverarbeiter zogen es denn auch bislang vor, ihren