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BAYERN Durch den Wald

Ein bayrischer Landrat, der als »bundesdeutscher Sparkommissar« Furore gemacht hat, kommt nun wegen Untreue vor Gericht: Er soll öffentliche Gelder verschwendet haben.
• aus DER SPIEGEL 3/1983
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Jahrelang lautete der Wahlspruch des niederbayrischen CSU-Landrats Ludwig Mayer, 48, der dem Kreis Rottal - Inn zwischen Passau und Altötting vorsteht: »Ich danke dem lieben Gott, daß dem Staat das Wasser am Halse steht.«

Die »katastrophale Situation der öffentlichen Hände« lieferte dem »Rationalisierungsfanatiker« (Mayer über Mayer) nämlich seit Mitte der siebziger Jahre einen Grund, seinen Mitarbeiterstamm im Landratsamt zu Pfarrkirchen und die Kfz-Zulassungsstelle zu straffen oder das Baugenehmigungsverfahren in seinem 100 000-Einwohner-Kreis mit einer von ihm selbst ausgetüftelten »automatischen Textverarbeitung« zu standardisieren.

Wirbel machte der »Eiserne Ludwig« (Volksmund) auch mit einem Experiment im Eggenfeldener Kreiskrankenhaus: Rekonvaleszente Patienten mußten in einem Modellversuch zur »Arbeitsselbstbeteiligung« gruppenweise, »wie Pensionsgäste« (Mayer), zum Essenfassen ins Klinik-Kasino.

Weil der Landrat das alles publikumswirksam inszenierte, entdeckte bald der »Bund der Steuerzahler« in ihm den »bundesdeutschen Sparkommissar«, der »vor vier Uhr früh aufsteht, mit Notizblock S.66 in die Sauna geht oder mit dem Diktiergerät durch den Wald wandert und neue Ideen konstruiert«.

Ausgerechnet dieser Rottaler Sparstar bekommt nun negative Publizität: Letzte Woche suspendierte ihn die Bezirksregierung von Niederbayern vorläufig von seinem Amt, nächste Woche muß sich der Landrat in Landshut vor Gericht verantworten - wegen Untreue. Die Staatsanwälte werfen ihm Verschwendungssucht vor.

Der passionierte Amateurphotograph habe sich beispielsweise, so die Ermittler, auf Kosten der Kreiskasse, mittels fingierter Rechnungen, eine Kameraausrüstung mit 38 Wechselobjektiven für insgesamt 20 000 Mark gegönnt, ferner eine 3000-Mark-Reise in Begleitung zweier Mitarbeiter zur Kölner »photokina«-Messe.

Darüber hinaus seien, so die Staatsanwaltschaft, vom Amt für 2000 Mark fünfzig »Fachbücher« angeschafft worden, die sich als Kollektion anspruchsvoller Aktaufnahmen entpuppt hätten. Ein Photo von sich selbst in einem Bundeswehr-Starfighter ließ er 1980 auf Kreiskosten 800fach verteilen.

Kreisgelder soll auch der von Landrat Mayer initiierte und vorwiegend aus Amtsmitarbeitern bestehende Pfarrkirchener Wanderverein »Enzian« kassiert haben. Der Klub fuhr nicht etwa zum Schwammerlsuchen in den Bayerischen Wald, sondern außer Landes, zum Beispiel nach Südtirol, um dort nach preisgünstigen Ferienwohnungen Ausschau zu halten. Kosten: rund 250 000 Mark.

Für Reisen und Repräsentationszwecke bediente sich der Kreisfürst auch eines von ihm eingerichteten »Sonderkontos«, auf das heimische Firmen, die dem Kreis verbunden waren, binnen weniger Jahre 140 000 Mark spendeten. Mayer verteilte die Gelder nach Gutdünken, vorwiegend an ihm nahestehende Gruppen und für private Zwecke.

Größter Ausgabeposten des unkontrollierten Spendenkontos war eine Flugreise in die USA, die der Landrat 1978 sich und 14 Trachtenvereinsmitgliedern genehmigte, um das niederbayrische Rottal bei der New Yorker Steuben-Parade zu repräsentieren. Kostenpunkt: fast 30 000 Mark.

Mit allem Rummel habe er, behauptet Ludwig Mayer, nur dem »Wohl der Allgemeinheit« gedient, wenngleich auf unkonventionelle Art. Möglicherweise ist sogar was dran an Mayers Rechtfertigung, er sei das Opfer einer »Terroraktion«, auch aus der eigenen Partei, geworden. Manch einem Rottaler CSU-Funktionär paßten weder die unbürokratischen Sparexperimente noch Mayers hemdsärmeliger Führungsstil. Doch seinen Parteiausschluß zu verlangen, getraut sich so recht keiner seiner Widersacher - so groß ist offenbar noch immer die Popularität des Kreisregenten. Zur Kommunalwahl 1984 will er notfalls als freier Kandidat wieder antreten.

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