Durchfeiern statt aussitzen
Nr. 48/2001, Berlin: Bürgermeister Wowereit macht auf Partys eine bessere Figur als in der Politik
Jetzt zeigt sich doch, wes Geistes Kind Herr Wowereit ist! Wer schon keine Koalition zu Stande bringt, sollte wenigstens anständig Champagner aus roten Stöckelschuhen saufen. Wer weiß, wie lange er dazu noch Gelegenheit hat. Wer stolz darauf ist, in einem Atemzug mit Ariane Sommer oder Wolfgang Joop genannt zu werden, darf sich ruhig »Wowi« nennen, als Bürgermeister ist er jedenfalls eine Fehlbesetzung. Hoffentlich heißt es bald: »Schwul allein genügt nicht!« Und das ist dann wirklich gut so!
MÜNCHEN PETER GABLER
Wir Berliner sind froh, in Klaus Wowereit einen Regierenden Bürgermeister zu haben, der Spaß an der Arbeit und Spaß am Leben hat. Schade, dass der SPIEGEL mit diesem Artikel auf dem Niveau der Neidgesellschaft angekommen ist. Berlin ist Hauptstadt und Metropole. Da sind Steherqualitäten gefragt. Die hat Klaus Wowereit. Und das ist auch gut so.
BERLIN HERMANN GERBAULET
Verblüfft und irritiert nehme ich zur Kenntnis, dass unser Bürgermeister Wowereit eine völlig neue Variante der politischen Problembewältigung einführt: durchfeiern statt aussitzen. Da wäre ja die Ampelkoalition unter Wowereit zur frivolen »Lichtorgel« mit garantierter »Afterworkparty« ohne Sperrstunde geworden. Blöde nur, dass wir Berliner leider die Blitz-Ampel kriegen werden: Zahlen, bis es quietscht!
BERLIN KAY GOLDBACH
Seit Jahren gehören SPIEGEL und »Bayernkurier« zu meiner wöchentlichen Zeitungslektüre. Zugegeben, ein ziemliches Kontrastprogramm. Beim Lesen Ihres Artikels über den Regierenden Bürgermeister von Berlin musste ich denn auch mehrmals nachsehen, ob ich wirklich den SPIEGEL lese. Diese deutliche Klarstellung des Arbeitsverständnisses eines »roten« Politikers, der noch dazu ob seiner privaten Lebensausrichtung so »trendy« ist, hätte ich bei Ihrem Magazin so nicht erwartet. Noch vor wenigen Wochen war »Wowi« ja auch für den SPIEGEL die politische Lichtgestalt Berlins. Dieser Artikel hat nun einiges gerade gerückt. Und das ist gut so!
BETZENSTEIN (BAYERN) MONIKA WEIDINGER