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RESERVISTEN e. V.

• aus DER SPIEGEL 21/1964
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Seit seiner Gründung im Jahre 1960 warb der »Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V.« mit Flugblättern für eine »Gemeinschaft freier Staatsbürger, die in demokratischer Gepflogenheit ihr Gesicht nach dem Willen der Mitglieder selbst prägt«.

Jetzt erwies sich der Werbeslogan als revisionsbedürftig: Anstatt nach dem Willen seiner zur Zeit 20 000 Mitglieder mußte der Vereinsvorstand den Prägestempel nach den Wünschen des Bonner Verteidigungsministeriums schwingen:

Durch Rundbrief teilte der Oberleutnant d. R. Hans Michael Moll, 27, Reservisten-Vizepräsident und Bonner Bevollmächtigter des Verbandsvorsitzenden, Vizeadmiral a. D. Friedrich Ruge, den Vorständen der Bezirks- und Kreisverbände mit, die Vereinsmitglieder hätten ihre Beiträge - 1,10 Mark je Mann und Monat - künftig nicht mehr an die Landesverbände, sondern direkt an die Zentrale in Bonn abzuführen.

Begründung: eine »nicht zu ändernde Auflage des Bundesverteidigungsministeriums«, über das »der Verband die öffentlichen Subventionen erhält«.

Zugleich belehrte Moll seine organisierten Reservisten, deren Delegierte am kommenden Wochenende in der Godesberger Stadthalle zu ihrer Jahreshauptversammlung aufmarschieren: »Es ist deshalb zwecklos, weitere Diskussionen über diesen Beschluß des Bundesvorstandes zu führen oder ihn auf die Tagesordnung der Hauptversammlung zu setzen.«

Diesen Tagesbefehl haben sich die Mitglieder des Bundeswehrverbandes, in dem gegenwärtig etwa jeder 25. Reservist organisiert ist, freilich selbst zuzuschreiben: Während sie zum Zwecke der »Förderung und Vertiefung des Wehrgedankens und der Wehrbereitschaft in allen Schichten der Bevölkerung« - so ein Vereinsziel - aus den Etats des Verteidigungsministeriums und später auch des Bundespresseamtes fleißig Zuschüsse für die Verbandskasse einsteckten, bewiesen die Reservisten selbst zum Verdruß des Verteidigungsministeriums nur eine sehr laxe Zahlungsmoral.

Vize Moll: »In den vergangenen Jahren sind Beitragsrückstände in Höhe von weit über 100 000 Mark entstanden.«

Diesem Schlendrian will der Bundesvorstand jetzt auf Geheiß des Verteidigungsministeriums durch militärisch straffe Organisation Einhalt gebieten:

In jedem der sechs bundesdeutschen Wehrbereiche richtet er noch in diesem Jahr eine mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer (Gehalt 1200 Mark) besetzte Geschäftsstelle ein. Personal- und Sachkosten der Außenstellen: 170 000 Mark jährlich. Die zehn Landesvorsitzenden erhalten außerdem je 150 und die 35 Bezirksvorsitzenden je 80 Mark monatlich für »Führungsaufgaben«. Bestritten werden sollen diese Ausgaben ausschließlich mit Vereinsbeiträgen.

Für die Finanzierung der Arbeit in den Kreisverbänden hat der Bundesvorstand ein besonderes Rezept erdacht. Moll in einem Rundschreiben: »Die Kreisgruppen lassen durch Referenten aus den Reihen ihrer Mitglieder mehrere Male im Jahr Vorträge im Rahmen der wehrpolitischen Öffentlichkeitsarbeit über wehrpolitische Themen halten. Die Referenten erhalten dafür jeweils DM 50,-. Dieses Honorar stellen sie nach Abzug einer Anerkennungsgebühr (DM 5, oder 10,-) der Kreisgruppe als Spende zur Verfügung.«

Das Geld für diese Spendenaktion erhält der Bundesvorstand - ebenso den größten Teil der Druck- und Vertriebsunkosten des Verbandsblättchens »Die Reserve« - unter dem Titel »Öffentlichkeitsarbeit in Verteidigungsfragen« aus Steuermitteln. Erläutert Moll: »Die dem Verband für das Haushaltsjahr 1964 zu dem vorgenannten Zweck verfügbar gemachten Mittel betragen ein Mehrfaches des gesamten Beitragsaufkommens des Jahres 1963.«

Freilich soll die Reservisten-»Gemeinschaft freier Staatsbürger« nicht nur organisatorisch wieder an militärische Zucht gewöhnt werden. Laut Moll hat es sich der Verband »für dieses Jahr ... zur Aufgabe gemacht, sich dem Stadium der Einsatzbereitschaft der aktiven Bundeswehrsoldaten zu nähern. Der Schwerpunkt des Programms soll 1964 auf die militärische Weiterbildung gelegt werden«.

Und Reservisten-Vizeadmiral Friedrich Ruge: »Im Jahre 1964 werden die ersten Einheiten der territorialen Reserve zusammentreten. Da machen wir mit, wo es möglich ist.«

Reservisten-Funktionär Moll

Spenden von der Steuer

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