Ecu oder ECU oder Mark? - DER SPIEGEL
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Ecu oder ECU oder Mark?

Von Rudolf Augstein
• aus DER SPIEGEL 7/1992
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Nebel über dem Gipfel von Maastricht hat sich inzwischen verzogen, und die Folgen lassen sich nun klarer erkennen.

Es zeichnet sich ab, daß Deutschland dem französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand mit der Zustimmung zur europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ein letztes Mal nachgegeben hat. Das allerdings ist schlimm genug. Wenn Hans-Dietrich Genscher sagt, Kassandra sei immer dann glücklich, wenn sie recht behalte, so wird man wohl in diesem Fall noch abwarten müssen. Denn unser Problem heißt nach wie vor Frankreich.

Wohl hat sich herausgestellt, daß es auch für uns fruchtbar war, auf Frankreich zu setzen. Nur, wenn wir hören, die EG dürfe nicht »auf dem Rücken der französischen Bauern« erweitert werden, dann müssen wir doch einen Augenblick nachdenken. Ebendiesen Bauern wird ja von ihrer Regierung verschwiegen, daß sie wesentlich aus der EG-Kasse leben.

Es geht darum, daß Frankreich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges seine Führungsrolle gegenüber Deutschland bewahren wollte. Das hätte nur in einer kleinen und überschaubaren Gemeinschaft funktionieren können, in einer EG der sechs Gründungsmitglieder. Deshalb haben sich die Franzosen bis zuletzt dagegen gesträubt, in diesen Kreis auch England aufzunehmen, dem sie bis heute unterstellen, ein Anhängsel der USA zu sein. Ohne England und die USA könnte die Bundesrepublik politisch aber nicht existieren.

Auf militärischem Gebiet klaffen die Grundsätze zwischen Frankreich und Deutschland bis heute hoffnungslos auseinander. Es läßt sich nicht übersehen, daß Paris den neuen Gegebenheiten militärisch nicht Rechnung tragen will. Wir müssen uns auf die USA verlassen.

Brigitte Seebacher-Brandt hat uns aus der engsten Umgebung Mitterrands die damals vermutlich richtige Einschätzung übermittelt: _____« Und wenn die Pershings zu sonst nichts gut sind, so » _____« doch dazu, uns die deutsche Teilung auch für die nächsten » _____« 30 Jahre zu sichern. »

Somit wäre denn klar, warum Mitterrand im Februar 1983 vor dem Deutschen Bundestag die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen auf deutschem Boden forderte. Man stelle sich vor, der deutsche Bundeskanzler hätte vor der französischen Nationalversammlung die Rückkehr Frankreichs in die militärischen Strukturen der Nato verlangt.

Es geht auch nicht, daß wir die französische Währungsphilosophie übernehmen. Frankreich ist erst seit neuestem ein stabilitätsorientierter Staat, ist es früher nie gewesen. Die Bundesbank in Frankfurt hat da eine klare Position bezogen, die sie notfalls auch gegen die Bundesregierung verteidigen muß.

Keinesfalls darf es dazu kommen, daß sie sich von den Regierenden in Bonn einspannen läßt. Gibt sie jetzt nach, wird sie auch nachgeben, wenn 1997 die Europäische Zentralbank geschaffen wird. Die gemeinsame europäische Währung, die in Maastricht verabredet wurde, kann nur durch die deutsche Bundesbank, nicht aber durch das französische Finanzwesen garantiert werden.

Stünde uns genügend Geld zur Verfügung, was nicht der Fall ist, würden wir auch die Opfer, die Maastricht uns abverlangt, noch bringen. Der französischen Entschlossenheit aber, das größer gewordene Deutschland auch in einer erweiterten EG noch in der Hand zu behalten, müssen wir uns entgegenstemmen. Wir wollen die Franzosen nicht dominieren, aber sie sollten das bei uns auch nicht länger versuchen.

Frankreich und Deutschland können (sie sollten) solidarisch miteinander umgehen, von gleich zu gleich. Europa braucht finanzielle Stabilität auch in Frankreich.

Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als der Bundesbank jegliche Unterstützung angedeihen zu lassen, damit sie sich nicht von den Finanzjongleuren in Bonn instrumentieren läßt. Wir haben zur französischen Bevölkerung die herzlichsten Beziehungen. Was wir nicht wollen, sind staatlich verordnete Grandeur und Gloire auf Kosten der anderen Europäer. Da wollen wir lieber unsere hausbackene Politik treiben, mit der wir bis heute ganz gut gefahren sind.

Ob die zukünftige europäische Währung dann Ecu oder ECU oder Mark heißt, das ist uns egal.

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