Egbert Gustmann,
53, Feuilletonchef des ehemaligen SED-Blattes Schweriner Volkszeitung (Foto), rechtfertigt seine störungsfreie Karriere mit westdeutschen Nachkriegssünden. Nach dem Umschwung hatte der Schreibfunktionär sich so komplett gewendet, daß er nun als einziger Ost-Journalist im Deutschen Presserat sitzen und die Medien rügen darf. Dabei hatte er noch im Oktober 1989 die Demonstrationen von DDR-Bürgerrechtlern als »Beunruhigungen« durch »Randalierer« bezeichnet und die knüppelnden Vopos verteidigt: »Wenn die Volkspolizei von aufgeputschten Rowdys angegriffen wird, kann die Staatsmacht nicht stehenden Fußes zusehen.« Zwar gibt es im Presserat nun Bauchgrimmen wegen Gustmanns Mitgliedschaft, doch der frühere SED-Jubelschreiber sieht sein Wirken als Presserichter gelassen: »Die alte BRD hat nach dem Krieg auch alle NS-Richter weiterbeschäftigt. Ist deswegen eine schlechte Demokratie daraus geworden?«