Egon Krenz
Egon Krenz, 64, der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR und prominentester Häftling im Gefängnis Berlin-Plötzensee, hat einen neuen Fürsprecher gefunden. Beim Geburtstagskränzchen von Lotte Ulbricht, Witwe von Walter Ulbricht, traf er den Autor und Botaniker Frank Brandenburg, 38, wieder, der ihm bereits aus Wendezeiten bekannt ist. Brandenburg unterbreitete ihm seine Idee, ein Gnadengesuch für ihn einzureichen. Krenz hatte es seinerzeit abgelehnt, selbst eines zu stellen, wie es sein Mitangeklagter Klaus-Dieter Baumgarten - erfolgreich - getan hatte, weil er Gerechtigkeit und keine Gnade wollte. Das Ansinnen des Hildesheimer Publizisten überraschte den Ex-SEDler umso mehr, als Brandenburg ein Westdeutscher ist, gefreut hat es ihn trotzdem. In der Begründung des Gnadengesuchs verweist Brandenburg auf den friedlichen Verlauf der Grenzöffnung und meint, dass »an diesem einmaligen historischen Prozess« Krenz »unbestrittene Verdienste« hätte. Die Senatsverwaltung für Justiz Berlin bestätigte nach knapp drei Wochen den Erhalt des Schreibens. Unter dem Geschäftszeichen »25/2 Js 20/92 VRs« wird der Vorgang bearbeitet, vorsorglich wird darum gebeten, »von Rückfragen abzusehen«.