EHRE
Ihr Telemann hat den Gesamteindruck, den das Fernseh - Gespräch über den 20. Juli 1944 hinterlassen hat; sehr treffend wiedergegeben.
Obwohl das deutsche Volk zwei schreckliche nationale Katastrophen hinter sich hat, findet es (wie vor dem Bildschirm wieder einmal zu sehen und zu hören war) nicht den Mut, aus diesem selbstverschuldeten Unglück eine Lehre zu ziehen. So wird überall nur um die notwendige Entscheidung herumgeredet. Aber wehe dem, der es wagen sollte, sich zu bekennen: Auch die zur Wahrung der »christlichen Etikette« beteiligten Theologen paßten sich müde und brav dem offiziellen Schema an.
Nürnberg
JOHANN ERWIN BAUER
Die Betrachtung Telemanns über den 20. Juli ist das Beste, was jemals zu dem Thema gesagt wurde. Insbesondere der Hinweis, daß die Männer des 20. Juli keiner moraltheologischen Ehrenklitterung bedürfen. Die Versuche in dieser Richtung sind nicht nur unbefriedigend, sie gehen auch historisch völlig fehl. Denn die Männer des 20. Juli haben ihre Handlungen durchaus auf die Erfolgsmöglichkeiten abgestimmt. Sie haben sie politisch, nicht moralisch gesehen. Eine moralische Tat dagegen geschieht ohne Rücksicht auf die Folgen oder den Erfolg.
Hamburg-Großflottbek
E. FRIEDEMANN
Im Sinne der Ausführungen Telemanns erlaube ich mir, ein Fontane-Zitat aus »Vor dem Sturm« beizusteuern:
Solange es eine Geschichte gibt, haben sich Umwälzungen, auch die segensreichsten, durch einen Wort- oder Treubruch eingeleitet.
Frankfurt-Höchst
ALFRED G. WAGNER
Zu der Diskussion im Fernsehen hätte der Ausdruck »Feierstunde« wahrhaftig gepaßt. Als sie zu Ende ging, war man genauso schlau wie vorher. Unter einer Diskussion stelle ich mir etwas ganz anderes vor. An diesem Abend war die Langeweile mal wieder Trumpf. Ein sehr häufiger Gast beim Deutschen Fernsehen. Das hatte der 20. Juli nicht verdient.
Bonn
JOACHIM GiIERING-JÄNSCH