EI, EI, DIE EIER - DER SPIEGEL
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Briefe

EI, EI, DIE EIER
• aus DER SPIEGEL 23/1952
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EI, EI, DIE EIER

(Nr. 18/52, Gesundheit u. Nr. 19/52, Briefe)

Die Trephon-Eierkur ist nur wirksam - aber auch dann tatsächlich wirksam - , wenn beachtet wird, daß für die Kur nur befruchtete Eier verwendet werden; daß Männer nur befruchtete Eier verwenden, welche bei Ausbrütung ein männliches Küken, und Frauen nur Eier, welche bei Ausbrütung ein weibliches Küken (Hahn bzw. Huhn) bringen würden; daß die Eier vor dem Genuß nicht zerschlagen, sondern so unzerstört genossen werden, wie sie bebrütet sind.

Ich betone, daß ich selbst keine Eier vertreibe oder irgendwie daran materiell beteiligt bin.

Niederlahnstein

Mia Tillessen

Im Grunde ist es schade, daß es schon zu Ende geht! Es war eigentlich eine nette Torheit, ein reizender, schalkhafter Wahn, amüsanter als die Zeileise und Grönings. Es ist irgendwie nicht höflich, jetzt schon mit der Keule der »Krebsangst« auf die Embryönchen loszuschlagen. Es handelt sich ja nicht nur um einen Geschäftstrick der Elerfranen; es handelt sich vielmehr um einen uralten Wahn und den frappanten Durchbruch des magischen Elementes. Der Trephonrummel ist ein bezaubernder Rückfall ins Fetischistische!

Es war immer so. Die Germanen lutschten das Mark aus den Röhrenknochen der Bären, die Azteken verschlangen zuckende Herzen, die Hoden der Hasen strich man seit je aufs Frühstücksbrot, und die Dekokte aus Föten sind bewährtes Hexenrezept. Immer gab es symbolisch-magische Speise.

Auch die moderne pharmazeutische Industrie griff nach der Kunst der Schamanen und hat schon längst die Extrakte von Hoden, Eierstock und embryonalem Tierherz in blanke Ampullen gefüllt, aber der Neandertaler in uns will auf einmal die schicke Aufmachung nicht mehr, er will zurück an den Kern der Sache und so frißt er: eins zwei drei! das Ding mit Haut und Haaren! Bravo! Ist das nicht fein? Ist das nicht ein köstlicher Atavismus mitten im Zeitalter der Penizilline!

Und wie steht es mit den »Wirkstoffen«, den Hormonen und Trephonen, diesen ollen magischen Kamellen? Darf ich Ihnen verraten, was der eigentliche Wirkstoff ist, das entscheidende Agens? Es ist der Ekel. Das Sich-Ekeln spielt eine bedeutsame Rolle in allen Medizinen der Welt. Auf ihm beruht das Grausen der afrikanischen Medizinalmärkte und die Existenz der »Dreckapotheken« des Mittelalters mit ihren wahrhaft schauderösen Rezepten! Was ist schon unser gallertiger »Hahnentritt« gegenüber einem Ragout aus Kröten und Affenschmalz. Der Ekel und seine heroische Überwindung hat immer eine Rolle gespielt, denn aus einem Menschen, der tapfer Widerwärtiges schluckt, fährt die Krankheit aus. Durch alle Jahrhunderte zieht sich dieser psychotherapeutische Insult.

Schade wie gesagt, daß es bald aus ist mit den netten Embryonen und ihren herzigen Dottersäckchen und daß man wieder so phantasielos wird. »Ei mit Kognak« statt »Ei mit Foetus« zu schlürfen!

Aber auf der Suche nach anderen magischen Varianten von Eierspeisen finde ich in einem alten Schmöker »Volksmedizin in Bayern« aus dem sechzehnten Jahrhundert ein geradezu herrliches Rezept:

»Ist einem durch bösen Zauber die Manneskraft genommen, so nimm von einer schwarzen oder ganz weißen Henne ein angebrütet Ei warm hinweg und harne über dasselbe hinab in ein neuglasiertes Häfelein; laß das Ei darin bis auf die Hälfte des Wassers sieden, und gieße alsdann den Urin in abwärts fließendes Wasser. Das Ei aber grabe in einen Klemmerhaufen und öffne es ein wenig, daß die Ameisen davon fressen können. Sobald die Ameisen dasselbe verzehret haben, so wird dem notleidenden Menschen geholfen sein!«

So enthoben sich unsere Altvorderen ganz pfiffig der Sorge, selbst das Ding zu schlucken!

Bad Ems

Dr. med. Otto Mock

Ich würde Ihnen raten, doch einmal zwei oder drei Dutzend Leute zu befragen, die die Kur ganz sauber und exakt nach den Anweisungen bei sich zu Hause gemacht haben! Ich weiß jedenfalls von zahlreichen Ärzten, die selbst Apparate bei sich stehen haben und ihre Patienten mit 9 TE-Eiern behandeln. Die Ärzte wagen nur nicht, an die Öffentlichkeit zu treten, aus Angst, von den Kollegen angegriffen zu werden.

Und was Sie in Ihrem letzten Absatz schreiben...: »Das Ganze ist eine Psychose«, - wie erklären Sie sich's dann, daß man auch Pferde und Hunde erstklassig mit 9 TE-Kuren wieder auf den Damm bringt! Ist das auch Psychose? Hunde - Psychose, Pferde-Psychose?

Es ist also wirklich etwas mehr an der Sache - im positiven Sinne - , als man nach Ihrem Artikel glauben könnte. Fragen Sie doch einmal arme Menschen, die auf den Tod darniederlagen und keine Treppe mehr zu steigen vermochten und denen es heute wieder besser geht! Alles Psychose?

Düsseldorf

Lydia Winter

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