EIERLEGENDE WOLL-SCHWEINE
(Nr. 25/1970, SPIEGEL-Report über Generale)
Wenn General de Maiziere feststellte: »Uns wird leider immer noch pauschal nachgesagt, wir seien dumm und kriegslüstern«, so kann ich ihn nur beglückwünschen, wie gut er über die Volksmeinung informiert ist! Der Ausspruch des Schöpfers der Bundeswehr, Konrad Adenauer, lebt also in der Meinung der Bürger fort: »Nichts war mir mein Leben lang so unsympathisch wie ein preußischer General!« Im übrigen dürfte das Verhalten der Generäle wohl mit dem alter Feuerwehr-Gäule zu vergleichen sein, die im Stalle stehen und bei dem geringsten Brandgeruch anfangen zu wiehern.
Frankfurt JOACHIM BECKERT
Es muß Ihrem offensichtlich pauschalen Urteil widersprochen werden, daß Frontsoldaten des Zweiten Weltkrieges ein gründliches Generalstabstraining verwehrt blieb. Auch in Anbetracht einer verkürzten Ausbildungsdauer von vier bis sechs Monaten an der damaligen Kriegsakademie kann davon keine Rede sein. Der junge »Zauberlehrling« (Hauptmann) dieser Jahrgänge wurde nach einem Auslese-Leistungsverfahren schon vor seiner Kommandierung zur Akademie in Generalstabsstellen (zum Beispiel Division Ic) verwendet und lernte sein Handwerk in der Praxis, wie es im Frieden selbstverständlich nicht möglich sein kann. Darüber hinaus wurden diese von Ihnen angesprochenen Jahrgänge bei Weiterverwendung in der Bundeswehr an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg durch Lehrgänge »aufgefrischt« oder/und haben durch Graduierung an internationalen Akademien (zum Beispiel USAGSC Leavenworth, Sandhurst) internationale »Potenz« (SPIEGEL) unter Beweis stellen müssen. Aufgrund welcher Fakten wird der Bundeswehr zukünftig eine bessere Auswahlmöglichkeit zur Verfügung stehen? Geld und Zeit sind Umweltsbedingungen. Wie auch immer die Qualität der jeweils zur Verfügung stehenden Stabsoffiziere sein mag, es wird doch wohl immer darauf ankommen, die richtige Personalauswahl zu treffen. Ob dies allerdings den Personalverantwortlichen gelingt, wird sich leider -- wie Sie selbst zu beweisen versuchten -- immer erst posthum feststellen lassen.
Trier DIPL-ING. GOTTFRIED FRÖHLICH
Oberst i. G.
Ihre Behauptung, ich hätte seinerzeit geprahlt: »Das machen wir glatt ...« ist schlicht unwahr. In Wirklichkeit hat man mich bereits im Herbst 1953 abgelöst und kaltgestellt, weil ich a) eben diese im EVG-Vertrag vorgesehene Zeitplanung immer wieder ganz offen, auch in offiziellen Verhandlungen mit Amerikanern, Engländern und Franzosen, als militärischen Unsinn bezeichnet und b) schon damals statt des geplanten Wehrpflicht-Kontingents von 500 000 Mann ein ganz auf Defensive (Panzerabwehr) ausgerichtetes Freiwilligen-Heer von etwa 150 000 Mann gefordert habe. Die angeblich »besonneneren und solider kalkulierenden Militärs« wie Heusinger und Maiziére, vor allem aber auch Speidel, waren es, die sich gegen mich gestellt und eine militärisch wie politisch gleichermaßen vernünftige Lösung verhindert haben.
Hannover BOCTSLAW v. BONIN
Oberst i. G. a. D.
Dieser hochinteressante Report zeigt das Dilemma, in das ein Staat geraten kann, der Soldaten. insbesondere Offiziere, sozialen oder politischen Entwicklungen anzupassen versucht.
Heiligenhaus (Rhl.-Pf.) EDUARD FISCHER
Wieder einmal wurden die Versuche, dieses komplexe Thema pauschal abzuhandeln, um eine Variante erweitert. Trotz vieler wesentlicher Weglassungen wurden immerhin einige Wurzeln der Glanzlosigkeit und des Elends der Generalität beziehungsweise des gesamten Offizierskorps angedeutet. Wann begreift man denn endlich, daß mit dem ewigen Hin und Her über die Qualifikation des Offiziers entweder als »All-round-Dilettant« oder als »Fachidiot« letztlich das Gegenteil von dem erreicht wird was man will, nämlich die Effizienz der Streitkräfte zu heben. Wann hört man endlich in Bundeswehr und Öffentlichkeit mit dem albernen Perfektionismus auf, das »Eier legende und Milch gebende Woll-Schwein« züchten zu wollen (BW-Jargon)?
Berlin FRIEDRICH WINDECK