Eifelschreck
In Nr. 26 (Technik-Raketen) wird festgestellt, daß bis zum 30. August 1944 der Einsatz der V 1 gedauert habe. Womit wahrscheinlich nur der Beschuß von den Küstenrampen am Kanal gemeint sein wird. Denn die V 1 startete noch bis zum Februar 1945 von Rampen, die in den Eifelwäldern gebaut worden waren. Vermutlich wurden die letzten Schüsse aber noch später, bis zum April 45 aus dem Westerwald und aus dem Taunus abgegeben.
In den Eifelwäldern, besonders um Letzerath, Kr. Cochem, sind heute noch sehr viele Wracks und Blindgänger der V 1 festzustellen. Die meisten der V-1-Bomben kamen nämlich kurz nach dem Abschuß nieder, sehr oft in den Dörfern der Eifel. Daher auch der bei den Truppen und bei der Bevölkerung bekanntgewordene Name: Eifelschreck für die V 1.
Das Entmunitionierungskommando entschärfte allein im Kreise Wittlich bis zum März dieses Jahres 52 V-1-Geschosse, wegen der Empfindlichkeit der Bomben ein gefährliches Geschäft. Die V-1-Geschosse können nicht einmal zu vorbereiteten Sprengplätzen geschafft werden. Man muß sie an Ort und Stelle unschädlich machen. Die Erschütterungen beim Transport würde die V 1 unweigerlich zur Explosion bringen.
Die Bevölkerung denkt immer noch mit Schrecken an die Abschüsse des »Eifelschrecks«. Einige der Bomben hatten nach dem Abschuß Steuerklemmungen. Sie zogen oft viertelstundenweise dröhnende Kreise über den Dörfern, schlugen neben ackernden Bauern als Blindgänger ein, erhoben sich wieder wie krankgeschossene Riesenvögel, ehe sie endgültig in einem Wiesental endeten.
Noch heute bringen diese Wracks großen Schaden, und das in den armen Höhengebieten an der Westgrenze, wo genau am 22. Februar der letzte Schuß erfolgte. Berühmt ist dieser Jubiläumsabschuß, weil er kurz hinter der Rampe niederkam, diesmal nicht zerstörend. Da zogen die Kanoniere auf Befehl ab und hinterließen zerstörte Häuser und auch Tote im eigenen Land. Am Weihnachtsabend 1944 kam eine V 1 in Alflen, einem kleinen Dorf, nahe den Rampen, nieder und tötete am Weihnachtsbaum Menschen.
Cochem/Cond
ALFRED ENGLAENDER