Eigenmächtiger Einsatz - DER SPIEGEL
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PAKISTAN Eigenmächtiger Einsatz

• aus DER SPIEGEL 38/2008
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Erstmals seit Kriegsbeginn in Afghanistan im Herbst 2001 machen US-amerikanische Spezialeinheiten im Alleingang Jagd auf Terroristen in Pakistan - offenbar aufgrund eines Geheimbefehls des amerikanischen Präsidenten. In den Stammesgebieten im Nordwesten sollen sich Osama Bin Laden und Aiman al-Sawahiri aufhalten, die beiden Paten des Terrornetzwerks al-Qaida. Die Spezialtruppen sollen auch gegen Taliban vorgehen, die aus dem pakistanischen Grenzgebiet nach Afghanistan einsickern, um Anschläge gegen die US-Armee zu verüben - in diesem Jahr wurden bisher 113 Soldaten getötet.

Stephen Cohen, Pakistan-Experte bei der liberalen Brookings Institution, geht davon aus, dass die US-Armee ihre Taktik den neuen Notwendigkeiten anpassen wolle. Es habe »gewaltigen Druck des Militärs« gegeben, um die Erlaubnis für Geheimeinsätze in Pakistan zu bekommen. Offenbar hat das Pentagon kein Vertrauen mehr, dass die pakistanische Regierung al-Qaida und die Taliban wirklich bekämpfen kann oder will. So soll es in der Vergangenheit immer wieder Fälle gegeben haben, in denen der pakistanische Geheimdienst ISI lokale Taliban-Kommandeure vor Angriffen warnte. Nun will die US-Armee die Regularien eigenmächtig ändern. Anstatt in Absprache mit den Pakistanern vorzugehen, sollen die nur noch benachrichtigt, aber nicht um Genehmigung gebeten werden. Wie das praktisch abläuft, zeigte die erste bekanntgewordene Bodenoperation vor fast zwei Wochen: Etwa zwei Dutzend Elitesoldaten wurden von Hubschraubern in Süd-Waziristan abgesetzt, wo sie innerhalb weniger Stunden rund 20 Militante im Bodenkampf getötet haben sollen. Pakistanische Offizielle widersprachen: Es seien nur 4 Handlanger der Qaida und der Taliban sowie etwa 16 Zivilisten umgekommen.

Zugleich haben die US-Raketenangriffe auf Ziele in den Stammesgebieten zugenommen; allein in diesem Monat sollen dabei mehr als 60 Menschen gestorben sein. Am vergangenen Freitag hatte eine Rakete, die von einer ferngelenkten Drohne abgefeuert wurde, angeblich mindestens zwölf Opfer gefordert, darunter Frauen und Kinder. Die neue Offensive sorgt in Pakistan für Empörung. Armeechef Ashfaq Parvez Kayani protestierte: »Die Souveränität und territoriale Integrität des Landes werden um jeden Preis verteidigt.« Der Botschafter in Washington sagte, »nichts wurde durch die Aktion dieser Truppen gewonnen«, im Gegenteil, sie würde nur antiamerikanische Stimmung im Land schüren. Der neue pakistanische Präsident Asif Ali Zardari, der am vorigen Dienstag den Amtseid leistete, musste sich Kritik gefallen lassen, weil er bei seiner ersten Pressekonferenz die US-Operationen nicht gerügt hatte.

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