KOSOVO Ein Bock als Gärtner
Nur Wochen vor der Entscheidung über den endgültigen Status der Unruhe-Provinz sinkt die junge Demokratie im Kosovo immer tiefer ins politische Chaos. Ramush Haradinaj, Führer der Regierungspartei »Allianz für die Zukunft« (AAK), ist wegen Kriegsverbrechen vor dem Uno-Tribunal in Den Haag angeklagt, darf jedoch die Zeit bis Prozessbeginn in Freiheit verbringen. Für die Dauer seines in Kürze erwarteten Verfahrens hat er bereits einen Statthalter auserkoren: ausgerechnet seinen Bruder Daut Haradinaj. Der 28-Jährige war erst 2005 aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er eine mehrjährige Haftstrafe abgesessen hatte - wegen Mordes. Ein Freund Haradinajs, ebenfalls hoher Funktionär der AAK, wurde unlängst verhaftet, als bei ihm ein umfangreiches Waffenarsenal sichergestellt wurde. Auch hinter den maskierten Männern, die seit Wochen mit illegalen Kontrollen die Straßen unsicher machen, werden AAK-Mitglieder vermutet. Ein wüstes Bild bietet ebenfalls der Koalitionspartner, die »Demokratische Liga Kosovo« des 2006 verstorbenen Präsidenten Ibrahim Rugova. Deren Parteitag vor einem Monat war in eine Massenprügelei ausgeartet. Fast ein Dutzend Delegierte mussten ins Krankenhaus. Derzeit liebäugelt ein Flügel unter Führung des ehemaligen Parlamentspräsidenten Nexhat Daci mit der Gründung einer eigenen Partei. Um einen Sturz der Regierung kurz vor der für Ende Januar erwarteten Status-Entscheidung zu verhindern, intervenierte sogar Washingtons Gesandter in Pristina. Erst auf Druck der Amerikaner verabschiedete das Parlament den Haushalt 2007.