Ein schwerer Weg
Nr. 45/2003, Embryonen: Kanzleroffensive in der Biopolitik
Die Aussage der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), der Embryo im Reagenzglas besitze nicht automatisch Menschenwürde, finde ich erschreckend und höchst alarmierend. Beim menschlichen Embryo handelt es sich um eine Erscheinungsform des Menschen, dem der volle Schutz des Grundgesetzes zukommt. Das Bundesverfassungsgericht hat das 1993 so bestätigt. Der Embryo ist ein Mensch im Werden. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Geschöpf Gottes, das sollte Frau Zypries nicht vergessen.
LANGWEDEL (NIEDERS.) MICHA HEIMSOTH
Was mich immer wieder überrascht, ist das Pathos, mit welchem in einem Klumpen weniger Zellen das volle Maß an Menschenwürde erkannt wird, während man zugleich ungestört mit plastinierten Leichen von echten, voll ausgewachsenen Menschen hausieren darf, um sie der morbiden Belustigung des gelangweilten Pöbels preiszugeben.
BERLIN WARUNO MAHDI
Losgelöst von der Stammzellforschung erscheint mir Zypries' Kategorisierung der Präimplantationsdiagnostik als »positive Eugenik« für Paare mit Kinderwunsch, die nachweislich ein hohes Potenzial für schwerste Erbkrankheiten aufweisen, als geradezu zynisch. Warum muss ein Embryo ausgetragen werden, bis sich der Nachweis einer bereits im Zellkern erkennbaren Krankheit in einem Ultraschallbild - oder schlimmer - Abort manifestiert? Würdelos ist für mich der Umgang mit den Grundrechten der hiervon betroffenen Paare in Deutschland; ihnen bleibt lediglich der Gang in das benachbarte Ausland, um auf einem ohnehin schweren Weg Hilfe zu suchen. Würdelos agieren diejenigen, die die schmerzhaften Konsequenzen des Embryonenschutzgesetzes nicht annähernd nachvollziehen können und bereits den Dialog um das Embryonenschutzgesetz kategorisch ablehnen, um sich politisch zu positionieren.
FRANKFURT AM MAIN ANNETTE KENNEDY
Bei der zwangsweisen Entstehung eines Embryos außerhalb der Gebärmutter ist alles auf Würdelosigkeit angelegt - die hormonelle, gesundheitsgefährdende und schmerzhafte Stimulierung der Frauen, um »Eier ernten zu können«, die Spermiengewinnung durch Pornovorlagen bei Männern und die Vergewaltigung der Eier durch eine Spermieninjektion. Frauen (und Männer) sollten diesem würdelosen und lusttötenden Prozess durch Verweigerung ein Ende bereiten.
MECHERNICH (NRDRH.-WESTF.)
GUDRUN NOSITSCHKA