Eine Million Delikte
Mit Deinem Artikel über den § 175 in Nr. 48/50 hast Du Dir eine schöne Suppe eingebrockt. Aber nachdem Du damit die Diskussion eröffnet hast, mußt Du Dir auch die Meinung eines Betroffenen gefallen lassen:
Nachdem die gesamte moderne Medizin absolut kein Mittel kennt gegen die grauenhafte Veranlagung, ist eine Verurteilung dieser Verdammten gleichzusetzen mit etwa der von Krebskranken. Diese Krankheit ist auch ekelhaft und niemand (oder nur in seltenen Fällen) weiß zu helfen.
Ich darf nun aus persönlicher Erfahrung folgendes erklären: Vom ersten Moment des Erkennens meiner Veranlagung an war ich beim Arzt. Mit Händen und Füßen, mit allen Mitteln und um jeden Preis sträubte ich mich gegen diesen Trieb. Es waren bis jetzt fünf Aerzte von Ruf, die mich behandelten (ich kann sie namentlich nennen), darunter Psychotherapeuten, Dozenten für Drüsentherapie, Herausgeber sexual - biologischer Abhandlungen, Forscher etc. Es gibt keine Operation, die ich nicht schon an mir versuchen ließ, keine Hormoneinpflanzung, keine Präparate, die ich nicht schon einnahm, und Hormonspritzen, die eine Umstellung herbeiführen sollten. Ich darf wohl sagen, daß ich in 20 Jahren den Aerzten ein Vermögen geopfert habe. Erfolg: = 0!
Und da lese ich nun die souveräne Zuschrift eines Dr. Dogs im SPIEGEL, in welcher dieser behauptet, daß all diese Störungen »völlig zu heilen« seien. Wenn ihm ein solches Allheilmittel zur Verfügung steht, verdient er den Nobelpreis.
München
G. S.
Ich bin Mutter von vier Söhnen. der älteste ist 25 Jahre, und kann Ihnen sagen, daß an einem dieser Söhne mir dieses Problem täglich vor Augen ist. Mein Mann und ich hatten seinerzeit ausgemacht, nie in das Leben unserer Kinder einzugreifen, wenn es um deren Neigungen und Abneigungen in Liebesdingen gehen würde. Wir haben die Kinder rechtzeitig aufgeklärt und sie vor schlimmen Folgen gewarnt, aber alles andere müssen sie selbst bestimmen. Ich bin nicht unglücklich über die mir von meinem einen Sohn ohne mein Zutun eingestandene Einstellung. Nur als Mutter ist mir Angst, er könne in diese unbarmherzige Mühle kommen, die durch diesen Paragraphen in Gang gehalten wird.
Frankfurt/Main
Frau E. H.