Eine reine Kommerzmaschine
Nr. 14/2001, Fußball: SPIEGEL-Streitgespräch zwischen Dortmunds Manager Michael Meier und zwei Fans über die Proteste im Stadion
Das Interview mit Herrn Meier ist bezeichnend für die Haltung der Manager gegenüber den Fans. Mit scheinheiligen Halbwahrheiten versucht er die berechtigten Forderungen der Fans der Lächerlichkeit preiszugeben. Und wenn's nur das wäre, er spricht diesen auch noch die Legitimation der freien Meinungsäußerung ab. Es lebe die Demokratie! Eine solch unverfrorene Arroganz und Ignoranz gegenüber dem Kunden wird früher oder später nach hinten losgehen. Denn in der Marktwirtschaft hat immer der Konsument entschieden, und wenn Herr Meier Krieg haben will, dann soll er ihn bekommen ...
WORMS ANDREAS LÖFFLER
Langfristig sitzen wir doch alle in einem Boot. Irgendwann stimmen die Fans auch mit den Füßen ab und bleiben den Stadien fern. Und dann verlieren auch die Fernsehrechte an Wert, denn Spiele vor Geisterkulisse kommen auch im Fernsehen nicht so gut.
MÜLHEIM AN DER RUHR DANIEL LOHSE
Herr Meier sollte einfach so ehrlich sein zuzugeben, dass im Fußball jeder Schritt ökonomisch durchgerechnet ist. Kirch bringt halt mehr als der gemeine Fan!
DORTMUND SEBASTIAN DEMBSKI
Nachdem die Aktion »Pro 15:30« am letzten Wochenende ein gutes Echo hatte, hoffe ich, dass sie nicht nach kurzem Hype im Sande verläuft. Vor allem die Samstagabendspiele sind völlig am Bedarf der Kundschaft vorbei. Die in die Länge gezogenen Spieltage sind nicht nur für die ganz harten Fans nervig, die zu jedem Auswärtsspiel mitfahren, sie vergrätzen auch die Leute, die sich vorwiegend zu Hause für die Bundesliga 1 und 2 interessieren. Seit die 1. und 2. Liga den Vertrag mit der Kirch-Gruppe geschlossen haben, ist der Profi-Fußball zu einer reinen Kommerzmaschine verkommen.
OSNABRÜCK RALF ALBERS
Neben einer Anhäufung von ablenkenden Scheinargumenten spricht Herr Meier von fehlender Legitimation und von »fehlgeleiteten« Fans. Wo leben wir denn? Obwohl die Bundesligaspiele auf drei Tage verteilt werden und die Kirch-Millionen fließen, kann von internationaler Konkurrenzfähigkeit keine Rede sein. Wann wurde denn der letzte internationale Titel geholt? Die Fans, die den Fußball lieben, sei es nun vor dem Fernseher oder im Stadion, werden den Weg der Kirch-Gruppe ins Pay-per-View nicht mitgehen. Die Schmerzgrenze ist schon jetzt erreicht.
HEMMINGEN (NIEDERS.) SÖREN HILL