Einzug der Republikaner - DER SPIEGEL
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USA Einzug der Republikaner

• aus DER SPIEGEL 4/1953
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Abgesehen von F. D. Roosevelts erster Amtseinführung, die einer Trauerfeier glich, versuchten die Amerikaner aus allen Inaugurationen eine Fête von den Dimensionen einer Königs-Krönung zu machen. 1949, nach Trumans einmaligem 48er Wahlsieg, schien das Ziel erreicht - wenigstens in bezug auf Spektakel und Aufwand (315 000 Dollar und ein Organisations-Komitee

von 1300 Mann). Miesepetrig bestätigte die republikanische »Time«, daß Harry Trumans Einzug in das Weiße Haus einer Krönung sehr nahegekommen sei.

Eisenhowers Republikaner, die ursprünglich eine »demonstrativ bescheidene und würdige« Hauseinweihung im engsten Kreise feiern wollten, haben Trumans Rekord gebrochen. Der Trubel, der am Sonntag begann, ist »die größte Schau der letzten Jahrzehnte« (nach »Time"), wenn nicht die »größte, beste und teuerste Inauguration der amerikanischen Geschichte« (nach »Newsweek"). Aufwand: ein Organisations-Komitee mit 34 Unter-Ausschüssen (2600 Mitarbeitern) und eine Million Dollar.

Dwight Ike Eisenhowers Invasionen konnten nicht sorgfältiger geplant sein, als sein Einzug in das Weiße Haus. Unter dem Vorsitz des Washingtoner Rechtsanwaltes Joseph C. McGarraghy, der schon den Washingtoner Jubel für die Kriegsheimkehrer Eisenhower und MacArthur organisierte, mußten die Inaugural-Stäbler eine dreifache Aufgabe bewältigen: die eines Londoner Peers-Komitees bei der Krönung (es achtet darauf, daß die Würde nicht mit dem Spektakel durchbrennt), die eines Kölner Karneval-Ausschusses (er muß dafür sorgen, daß nicht allzuviel Würde den Spektakel erstickt) und die einer hannoverschen Messeleitung (sie spioniert die letzte unbelegte Matratze für Besucher aus).

Aber selbst wenn alle Washingtoner während der Inaugurations-Feiern ihre Betten geräumt und sich in Küche und Bad zurückgezogen hätten, wäre Washington nicht groß genug gewesen, den Strom von Möchtegern-Besuchern aufzufangen. So vor eine aussichtslose Aufgabe gestellt, stürzten sich die Planer auf die Gestaltung der Fête.

Für die große Parade, die einem deutschen Rosenmontagszug gleicht, organisierten sie eine Flotte verrückter Festwagen. Der Clou: ein Blumenkorso aus Florida, geführt von der Miß America 1952. Sie verpflichteten Heimatgruppen aus allen Staaten der Nation, dazu eine Pferde-Abteilung aus Kalifornien, eine Hundekolonne aus Alaska und 340 kriegsbemalte Rothäute. Entlang der Paradestraße wurde ein Suchdienst für verlorengegangene Babies eingerichtet. Am Montagabend unterhielten 50 Hollywood-Stars die Festgemeinde.

Trotzdem soll das Come-back der Republikaner

kein Zirkus werden. Versicherte Chef-planer McGarraghy: »Wir wollen die Feiern auf einem hohen, würdigen Niveau halten.«

Würde und hohes Niveau fehlten bei manchen Inaugurationen amerikanischer Präsidenten. Als Andrew Jackson Präsident wurde, kam eine Schar seiner Anhänger aus dem Wilden Westen in die Stadt. Nach der offiziellen Zeremonie gab es Freibier im Weißen Haus. Wie Gold-Digger in eine Bonanza, so wirbelte die Menge ins Weiße Haus, trampelte mit Cowboy-Stiefeln über die Perser, zerschmiß das Porzellan und riß die Gardinen von den Fenstern.

Andrew Johnson, der Vizepräsident Abraham Lincolns, trank sich für seine große Stunde mit Whisky Mut an. Als er seinen Schwur-Finger heben sollte, torkelte er zum Podium und krakeelte los: »So demütig wie ich bin und so plebejisch, wie sie mich vielleicht einschätzen, möchte ich in Gegenwart dieser vorzüglichen Gesellschaft ...«

Überhaupt fehlte den Amtseinführungen in der Vergangenheit jegliche Organisation. George Washington schritt gerade zum Schwur, da entdeckte man, daß die Bibel vergessen worden war. Ein Bote fand eine Bibel in einer Kneipe, in der öfters christliche Zirkel zusammenkamen.

Außer Truman, dem seine Landsleute aus Missouri eine Gutenberg-Bibel schenkten, und außer Roosevelt, der seine Hand beim Schwur auf die Bibel seiner holländischen Vorfahren legte, wurden alle US-Präsidenten mit Washingtons Bibel eingeschworen. Auch das McGarraghy-Komitee entschied sich für die traditionelle Washington-Bibel. Sie wird in der alten Kneipe aufbewahrt und bei der Inauguration besonders scharf bewacht. Schon viele Souvenir-Jäger versuchten, sie zu entführen.

Souvenir-Jäger hackten auch aus dem kleinen, runden Mahagoni-Tischchen, auf dem die Bibel während der Feierlichkeiten liegt, ganze Scheite heraus. Bei Harrisons Inauguration im Jahre 1889 wurde der Tisch sogar gestohlen. Die Polizei packte den Dieb, ehe er sich verdrücken konnte.

Lange Zeit knobelten die Organisatoren, wie der Postenwechsel vor sich gehen soll. Wird Truman mit Ike zusammen ins Weiße Haus fahren? Truman sagte zu. Aber er überläßt sein Amt nicht so freudig der Konkurrenz wie ein anderer Demokrat, der Präsident Cleveland, der seinen republikanischen Nachfolger McKinley stürmisch am Portal des Weißen Hauses empfing. Dann tranken sie bei weiterem Plausch eine Runde Korn. Schließlich nahm Cleveland seinen Hut und verließ als einfacher Bürger das Weiße Haus.

Die Komitees bekamen so viele Bittbriefe und Ratschläge, daß man in Erwägung zog, noch einige Unter-Unter-Komitees einzurichten. Ein Mann fragte an, ob er nicht während der Inauguration Ikes Hut halten dürfe. Bitte, bitte. Er durfte nicht. Ein Agent der »Weather Projects, Inc.« in Olympia wollte wissen, ob die Flugzeuge seiner Gesellschaft gegen eine Tagesgebühr von 10 000 Dollar etwaige Regenwolken schon vor Washington zum Abregnen bringen sollten. Auch die Wettermacher bekamen einen Korb, denn ein alter Bauernkalender, auf den Chefplaner McGarraghy schwört, prophezeite: »Trocken, stellenweise bedeckt.«

Nur einmal kam es im Hauptquartier des Inaugurations-Komitees zu erregten Wortgefechten. Anlaß: die Gedächtnis-Plakette. Ike-Liebhaber fanden, daß Eisenhowers Mundwinkel zu mißmutig nach unten gezogen seien. Bildhauer Walker Hancock entwarf eine neue Plakette: mit optimistischem Froschgrinsen Ikes.

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