Elf
Alcide de Gasperi hat seine kampferprobte christlich-demokratische Elf in der neuen Regierung wieder beisammen. Zum sechsten Male. Um den Preis des Wirtschaftsministeriums hat Italiens routiniertester Nachkriegsparlamentarier die Saragat-Sozialisten zu einer Beteiligung an der Regierung bewegen können. Die gemäßigten Sozialisten haben sich damit die Kontrolle über die Durchführungsmaßnahmen des Marshall-Plans gesichert. Als es zur Vereidigung ging, machten plötzlich die Liberalen nicht mehr mit. Sie befürchteten unter dem sozialistischen Wirtschaftseinfluß eine Verstaatlichungspolitik und sorgten sich um das freie Unternehmertum in Italien. De Gasperi machte den Liberalen Alberto Giovannini zum »Ratgeber« in Sachen Marshall-Plan. Dann wurden die 20 Minister im Quirinal vereidigt. Dort im alten Königsschloß hat Italiens zweiter republikanischer Staatspräsident, Luigi Einaudi, wieder Wohnung genommen. Allerdings in einigen bescheidenen Räumen in einem Seitenflügel. Sein Vorgänger, de Nicola, hatte es noch abgelehnt, unmittelbar als Nachfolger Umbertos von Savoyen den Königspalast zu beziehen. Stellvertreter des Ministerpräsidenten de Gasperi sind Giovanni Porzio (nominell Liberaler), Guiseppe Saragat und Attilio Piccioni (christlicher Demokrat). Italiens neue Regierungsmannschaft zählt mit der de-Gasperi-Elf wieder 20 Mann. Rechtsaußen ist der bewährte Graf Sforza.
+
Die italienische Nationalversammlung wurde für den 1. Juni zur ersten Vorstellung eingeladen. De Gasperis neues Programm bietet eine Serie diplomatischer Kompromiß-Attraktionen zwischen rechts und links:
1. Bodenreform des größeren Großgrundbesitzes;
2. Beteiligung der Arbeiterschaft an der Industrieverwaltung;
3. Verwendungsplan der Marshall-Hilfe;
4. Preisstabilisierung, Urbarmachung und öffentliche Arbeiten.
Als Rahmendarbietung wartet die de-Gasperi-Truppe mit einzelnen Kommunisten-Bändigungs-Akten auf. Als erstes ist ein Gesetzentwurf zur Unterbindung politischer Streiks in Einstudierung.