Empfänger
»Spanier zu sein, ist eines der wenigen Dinge auf der Welt, für die es sich zu leben lohnt«, nationalstolzte General Franco am neunten Jahrestag der Beendigung des Bürgerkrieges auf dem Balkon seiner Residenz El Pardo. In einer 19minütigen Rede strich der morgenluftwitternde Caudillo Spaniens Verdienste bei der Niederwerfung der Kommunisten während des Bürgerkrieges heraus. »Es wird der Tag kommen, an dem auch die Nationen, die heute gegen Spanien und sein Regime sind, zusammen mit uns im gleichen Graben stehen werden«, weissagte er in seiner Rundfunkansprache. Sie wurde am gleichen Tag mit Richtstrahler nach Amerika gesendet.
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Der Prophet Franco gilt seit der Osterbotschaft mehr in seinem Vaterlande. Seine Weissagung ging zumindest soweit in Erfüllung, daß Spanien mit in der Verteidigungslinie gegen Europas wirtschaftlichen Niedergang kämpfen wird. Die Radio-Empfänger im US-Repräsentantenhaus waren in letzter Zeit gut auf den Sender Madrid eingespielt. Jetzt beschloß das Haus mit 149 gegen 52 Stimmen Spaniens Aufnahme in den Marshall-Plan. Die Senatsentscheidung steht noch aus. Großbritanniens Haltung wird durch die Entscheidung wahrscheinlich nicht berührt, lautete der reservierte Kommentar aus dem unscheinbaren Haus Downing Street 10. - Die Kommunistenmühlen klappern wieder einige Umdrehungen schneller. Die römische »L'Unita« schreibt: »General Franco, Mörder Tausender von Patrioten, Kreatur Hitlers und Mussolinis, wird für sein Regime die »Hilfe« des Marshall-Plans genießen.«