GROSSBRITANNIEN Ende der Dynamik
Die Millennium Dome im Londoner Stadtteil Greenwich - von Premierminister Tony Blair einst als Symbol »einer neuen Dynamik in unserem Land« gefeiert - beschert der britischen Regierung neuen Ärger. Vergangene Woche nahm die Polizei vier Personen wegen Verdachts des Betrugs fest und beschlagnahmte an verschiedenen Orten Beweismaterial. Nach Erkenntnissen der Ermittler von Scotland Yard soll es bei der Erteilung eines Auftrags an eine Londoner Beleuchtungsfirma im Jahr 1998 nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Nachdem die zahlenden Besucher im September - weniger als halb so viele wie anfangs geplant - ausblieben, musste auch Blair unter zunehmendem Druck einräumen, das über zwei Milliarden Mark teure Prestigeobjekt sei »kein durchschlagender Erfolg«. Doch während die konservative Opposition der Tories immer wieder die sofortige Schließung des unpopulären Freizeitparks an der Themse fordert, will die Regierung die wiederholt mit Millionen-Zuschüssen vor der Pleite bewahrte Millennium Dome unbedingt bis Ende des Jahres offen halten. Auch das weitere Schicksal des von dem Büro des Stararchitekten Richard Rogers entworfenen Zeltbaus ist unsicher. Die japanische Investmentbank Nomura, die das Areal kaufen und als Themenpark erhalten wollte, ist angesichts des bescheidenen Besucherzuspruchs kurzfristig abgesprungen.