Ende der Schonzeit - DER SPIEGEL
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BALKAN Ende der Schonzeit

• aus DER SPIEGEL 10/2002
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Für die beiden als Kriegsverbrecher vom Haager Tribunal gesuchten bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic und Ratko Mladic ist die sechsjährige Schonzeit der Nato offenbar beendet. Zwar gelang es schwer bewaffneten Sfor-Truppen vergangene Woche zunächst nicht, Karadzic beim Sturm auf zwei Gebirgsdörfer nahe Foca in Bosnien zu fassen. Doch der plötzliche Jagdeifer der Friedenstruppen und die vom amerikanischen Außenministerium angekündigte Fortsetzung der Militäraktionen lassen vermuten, dass die Serbenführer eine Schlüsselrolle als Belastungszeugen beim Haager Tribunal übernehmen sollen. Ihre Aussagen gegen den einstigen Belgrader Despoten Slobodan Milosevic, so die Hoffnung der Ankläger, könnten die Verantwortung des Serbenführers für die Massaker bei den jugoslawischen Erbfolgekriegen beweisen.

Ohnehin scheint das Tribunal nur noch auf der Auslieferung der ehemaligen politischen und militärischen Führungselite zu bestehen. Tausende weiterer mutmaßlicher Kriegsverbrecher aus Serbien, Kroatien und Bosnien sollen dagegen mit Genehmigung der Haager Richter vor nationale Gerichte mit internationalen Vorsitzenden gestellt werden. Bisherige Erfahrungen in allen drei Republiken lassen indes am Erfolg solcher Prozesse zweifeln. Zahlreiche Angeklagte erschienen überhaupt nicht zum Verfahren, viele der Zeugen verweigerten die Aussage vor örtlichen Gerichten aus Angst vor späterer Verfolgung.

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