EUROPA »Enorme Risiken«
Ein früherer Mitarbeiter der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg beschuldigt das Kreditinstitut der Europäischen Union, im Jahre 1994 Spekulationsverluste in Höhe von über einer halben Milliarde Mark vor der Öffentlichkeit verborgen zu haben. Gegenüber Abgeordneten des Europäischen Parlaments behauptet der inzwischen ausgeschiedene Bankmanager, der Italiener Carlo De Nicola, 38, die EIB habe bei Spekulationen unter anderem mit Staatsanleihen »enorme Risiken« auf sich genommen. Die EU-Banker arbeiteten dabei auch mit Finanzmaklern in Steueroasen wie der Kanalinsel Jersey oder Monaco zusammen. Die Anschuldigungen würden »vorne und hinten nicht stimmen«, so vorigen Donnerstag der deutsche Vizepräsident der EIB, Wolfgang Roth: Es sei zwar wegen unerwartetem Zinsanstieg zu Wertverlusten bei Staatspapieren im Bank-Portfolio in Höhe über 550 Millionen Mark gekommen. Dabei habe es sich aber im wesentlichen um Buchverluste gehandelt, da die Anlagen zu dem schlechten Kurs gar nicht verkauft, die Verluste also nicht »realisiert« wurden. Die tatsächlichen Verluste hätten sich auf 149 Millionen Mark belaufen. Sie seien außerdem in der Folgezeit wettgemacht worden. Roth räumte ein, wegen der Spekulationen seien der damals zuständige Abteilungsleiter versetzt und die Abteilung neu organisiert worden. Die Bank habe von 1995 an auf jegliche Spekulation mit Staatsanleihen verzichtet, vorhandene Papiere gehalten.