Enormes Risiko
(Nr. 25/1991, SPIEGEL-Autor Wilhelm Bittorf über Sexualität und Aids in Zentralafrika)
Aus purer Profitsucht oder naivem Sendungsbewußtsein wird versucht, Menschen aus anderen Kulturkreisen unsere Lebensweise aufzuzwingen. Die verheerenden Auswirkungen bis hin zur Ausrottung ganzer Landstriche, wie es Ihr Artikel schildert, werden mit plumpen Ausreden verdrängt oder als »kleine Mißgeschicke der Entwicklungshilfe« verklärt. *UNTERSCHRIFT: Aachen MARTIN LAUS
Woraus leitet man im Westen, nach Ihrem Afrika-Report, »die übertriebene Promiskuität der Schwarzen« ab? Aus Polygamie etwa? Die Weltbevölkerung kennt zwei Arten der Polygamie. Die simultane: Sie ist im Alten Testament (bei Salomo, zum Beispiel) erlaubt und wird von Naturvölkern praktiziert. Die sukzessive nach Ehescheidungen: Sie ist im Neuen Testament nicht erlaubt, wird aber von Industrievölkern bevorzugt praktiziert. Schwer, da einen Unterschied zu finden. Qualitativ und quantitativ. *UNTERSCHRIFT: Erkrath (Nrdrh.-Westf.) KODJO KUDIABOR Dipl.-Ing. aus Ghana
Die Daten, die unsere Gruppe über das Sexualverhalten einer ländlichen Bevölkerung in Süd-Uganda erarbeitet, deuten darauf hin, daß sich die große Mehrheit der ugandischen Dorfbewohner in einem der »Epizentren« der HIV-Epidemie kaum von mitteleuropäischen Durchschnittsbürgern unterscheidet. Allgemeine Promiskuität ist kein Merkmal »der Afrikaner«, sowenig wie »die Hamburger« Prostituierte und Zuhälter sind, nur weil sie eine Reeperbahn haben. *UNTERSCHRIFT: Entebbe (Uganda) DR. MED. HANS-ULRICH WAGNER Medical Research Council
Er wundert sich über den Infektionsgleichstand zwischen den Geschlechtern, ohne auch nur mit einer Silbe die in Afrika praktizierte Klitoridektomie, die grausame Verstümmelung der weiblichen Genitalien, zu erwähnen. Bei so zugerichteten Frauen steigt das Risiko enorm, sich mit Aids anzustecken, da die ihnen zugefügte Wunde ein ständiger Infektionsherd ist. *UNTERSCHRIFT: Bonn ULRIKE KLENS
Wieder entdecken emsige Ngolo-Forscher trotz aufwendiger Suche nach dem Grund für die Tatsache, daß Aids in Afrika von Anfang an eine heterosexuelle Erkrankung war, den Wald vor lauter Bäumen nicht: Jede erfahrungsgebildete auch europäische Frau weiß, daß in Afrika - ursprünglich und hauptsächlich zur Empfängnisverhütung - Analverkehr die bevorzugte Sexualpraktik auch bei heterosexuellen Kontakten ist. Der After aber ist verletzbarer als eine noch so vorerkrankte und ungepflegte Vagina. *UNTERSCHRIFT: Berlin SIEGLINDE WEST
Daß Geschlechtskrankheiten (STDs) das HIV-Übertragungsrisiko erhöhen, ist wahrscheinlich, ob STDs die heterosexuelle Epidemie in Afrika erklären können, ist umstritten. Eine überlegene Sexualität reicht auch nicht aus, 300mal pro Jahr mit demselben Partner ist nicht das Problem: Der Lastwagenfahrer mit magerem einmal pro Monat, aber mit zwölf verschiedenen Partnern pro Jahr unterhält die Epidemie. Entlang der von uns betreuten Truckroute haben das die Leute schnell begriffen: Wenn keine Kondome auf dem Zimmer liegen, wird ein anderes Zimmer gesucht. Nur, da beginnt das eigentliche Problem: Wie lange wird ein solcher Service aufrechtzuerhalten sein? Und da entscheidet sich dann auch das Aids- (oder Aids= Hilfen?-)Problem. Chancengleichheit? Wohl kaum. *UNTERSCHRIFT: Dar es Salaam (Tanzania) DR. ULRICH LAUKAMM-JOSTEN AMREF AIDS Projekt African Medical and Research Foundation
Sie zitieren einige Male Ngugi Wa Thiongo und nennen ihn den »kritischen Chronisten der Umwälzungen«. Sie sollten nicht unerwähnt lassen, daß der Autor aufgrund seiner hochpolitischen Romane sein Land verlassen mußte und im Exil in London lebt; und daß das Zitat über den Bau einer Straße (S. 168) seinem Roman »Verbrannte Blüten« (Wuppertal, 3. Auflage 1991) entnommen ist. *UNTERSCHRIFT: Wuppertal HERMANN SCHULZ Leiter des Peter Hammer Verlages *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:
Unangenehme Argumente *EINLEITUNG: (Nr. 21/1991, Schweiz: Bundesrichter stehen unter dem Verdacht des Amtsmißbrauchs und der Urkundenfälschung) *
Den Schweizer Bundesrichtern Leu und Forni gelang ihre Manipulation in dieser Angelegenheit durch einen »Trick«, den nur die Spezialisten des Verfahrens begreifen können. In einer Vorentscheidung stellten sie fest, daß ein Bewertungsgutachten erforderlich sei, was bei einem Fall dieser Art normal ist; dann ernannten sie einen Sachverständigen. Ein bereits vor mehreren Jahren durch einen zuständigen Schweizer Richter angeordnetes Gutachten, das sich in den Akten befand und demzufolge Rychetsky 3,5 Millionen Schweizer Franken erhalten sollte, nahmen sie nicht zur Kenntnis.
Sie ließen ihren Sachverständigen mit Bilanzen arbeiten, die von den ursprünglichen Bilanzen abwichen und gefälscht waren - was sie meiner Meinung nach hätten wissen müssen -, und so konnten sie rechtfertigen, daß der geschuldete Betrag lediglich 770 000 Schweizer Franken beträgt.
Außerdem hatte die Menschenrechtskommission in Straßburg zur Unterstützung der Beschwerde von Rychetsky gegen die Schweiz zwei Schriftsätze erhalten; einen von seinem Schweizer Rechtsanwalt, der keinen rechtserheblichen Klagegrund gegen die Schweizer Justiz enthielt und den die Kommission mit korrekter Begründung zurückwies. Es gab aber noch einen Schriftsatz, den von mir, der zwar nicht sehr lang war, der aber - wie oben - auf die Manipulation der Bundesrichter hinwies. Das hat die Kommission mit keinem Wort erwähnt. Sie hat also selbst gegen die Regeln einer ordentlichen Justiz verstoßen, die besagen, daß die Richter auf die Argumente der Parteien eingehen. Meine Argumente waren der Kommission unangenehm, die der Schweiz recht geben wollte; sie entschied also so, als ob es diese Argumente gar nicht gebe. *UNTERSCHRIFT: Paris JEAN COSSON Kassationsrichter i.R. *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:
Hilfe für Hochschulen *EINLEITUNG: (Nr. 26/1991, Panorama) *
Die Tatsache, daß die alten Bundesländer in das Hochschulerneuerungsprogramm direkt »keine Mark eingezahlt« haben, hat den SPIEGEL zu dem Trugschluß verleitet, das Programm sei für die alten Bundesländer eine neue Finanzquelle, über die etwa Niedersachsen versucht, sich seine Aufbauhilfe von Sachsen-Anhalt zahlen zu lassen. Dem ist nicht so. Allein das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur wird für 1990 und 1991 rund 3,77 Millionen Mark für die Hilfe an den Hochschulen der neuen Bundesländer zahlen, davon können aus dem Hochschulerneuerungsprogramm maximal 210 000 Mark refinanziert werden. So haben wir für den Aufbau des Fachbereichs Jura an der Universität Halle bisher 178 782 Mark aufgewendet, davon können maximal 142 000 Mark rückerstattet werden. Um diesen Betrag geht es in dem vom SPIEGEL nicht ganz richtig beschriebenen Fall. Im übrigen haben die alten Bundesländer im Rahmen der Steuerbeschlüsse zugunsten des Aufbaus in den neuen Ländern auf Steuereinnahmen in Höhe von fast 80 Milliarden Mark von 1991 bis 1994 verzichtet. Ohne diesen Verzicht wäre der Bund nicht in der Lage, spezielle Aufbauprogramme zu schaffen. *UNTERSCHRIFT: Hannover HELGA SCHUCHARDT Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:
Risiken nicht vorgetäuscht *EINLEITUNG: (Nr. 25/1991, Konzerne: Siemens trickst die Treuhand aus) *
Es ist bemerkenswert, wie ein allseits gelobtes frühzeitiges Engagement in den neuen Bundesländern in ein schiefes Licht gebracht werden kann. Daß dazu Unterlagen, Angaben und Wertungen einer von uns fristlos entlassenen SED-Seilschaft verwendet wurden, ist eine Geschmacksfrage. Die Grundannahme, das Siemens-Engagement werde sich schnell auszahlen, ist jedenfalls nicht realistisch, die Risiken könnten vielmehr noch unterschätzt worden sein, zumal die Arbeitskosten bekanntlich sehr bald westdeutsches Niveau erreichen.
Soweit es um die Übernahme des VEB Starkstrom-Anlagenbau in Leipzig geht, läßt der Artikel unerwähnt, daß der Übernahme harte Verhandlungen vorausgegangen sind, die sich bis ins Frühjahr 1991 hinzogen. Auf seiten der Treuhand wurden diese Verhandlungen nicht von »Ex-Genossen« der früheren DDR geführt, sondern von einer Expertengruppe der Treuhand, der erfahrene Übernahmespezialisten großer westdeutscher Unternehmen angehörten. Es trifft auch nicht zu, daß im Kaufvertrag keine Nachbewertungsklausel vereinbart ist. Vielmehr müssen der Treuhand bestimmte Rückstellungen erstattet werden, die sich als zu hoch angesetzt erweisen. Außerdem stehen ihr auch etwaige Mehrerlöse aus Grundstücksverkäufen und dem vereinbarten Verkauf von Randaktivitäten zu. Demzufolge ist der vom SPIEGEL kritisierte Kaufpreis lediglich eine vorläufige Größe, die nichts darüber besagt, welcher Betrag der Treuhand endgültig zufließen wird. Kein Käufer ehemaliger DDR-Betriebe wäre im übrigen bereit gewesen, unbegrenzt für Altlasten und Altprodukte zu haften. Siemens hat immerhin einen Sockelbetrag zur Altlastenbeseitigung übernommen, außerdem trägt das Unternehmen das alleinige unternehmerische Risiko für die Übernahme und Umschulung von 5100 Beschäftigten, die Ausbildung von 600 Jugendlichen, Investitionen von zunächst 100 Millionen Mark sowie für einen umfassenden Technologietransfer, ohne den der Betrieb nicht lebensfähig wäre. Diese vom SPIEGEL nicht erwähnten Aspekte haben letztlich den Ausschlag zum Abschluß mit Siemens gegeben, für den sich auch die Belegschaft mit überwältigender Mehrheit ausgesprochen hatte. *UNTERSCHRIFT: München ENZIO VON KÜHLMANN-STUMM Siemens AG *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:
Getrübte Wahrnehmung *EINLEITUNG: (Nr. 24/1991, Gesellschaft: Gregor Gysi über das neue Leben der Ostdeutschen) *
Wer große Hoffnung angesichts der Lage in der »Ex-DDR« empfindet, muß entweder blind oder Bundeskanzler sein. Die politische Meisterschaft im Verkorksen der deutschen Einheit ist, fürchte ich, noch nicht ausgestanden. *UNTERSCHRIFT: Frankfurt am Main SVEN SELLE
Viel mag dieser Artikel zur Bewältigung des Ost-West-Dissenses nicht beigetragen haben. Vielmehr war er wieder einer der unzähligen Beiträge zur sentimentalen DDR-Nabelschau. Herr Gysi hätte sich doch lieber zu dem PDS-Sozialplan äußern sollen. *UNTERSCHRIFT: Berlin HARALD SILL
An Gysis Erklärung der ostdeutschen Denk- und Verhaltensweisen ist wichtig, was er nicht sagt. Es fällt kein Wort zur Rolle der SED und ihres Repressionsapparats. Hat dieser nach Jahrzehnten keine Folgen? Wenn dem Herrn Parteivorsitzenden Gysi dazu nichts Erhellendes einfällt, schweige er besser! *UNTERSCHRIFT: Frankfurt am Main DR. MICHAEL SIEVERNICH
Die Gnade der späten Geburt a la Gysi verkennt die Schuld des Kommunismus, und Gysi verdrängt die eigentlich traumatische Erfahrung von uns Ostdeutschen: einen nahezu totalen Kulturverlust nach 40 Jahren Leben, in dem wenig übrigbleibt, worauf sich unser Selbstbewußtsein gründen kann. *UNTERSCHRIFT: Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) DR. EBERHARD BRECHT, MdB/SPD
Gregor Gysi bestätigt kenntnisreich, was man bei jedem Blick über die Mauer auch schon früher hätte merken können: Die DDR war kein Staat, sondern ein Gefängnis. Sie hatte keine Bürger, sondern Insassen. Daß die Bundesrepublik seit 1969 so tat, als ob es anders wäre, war um des Friedens willen notwendig. Mit der Zeit haben auch hier die meisten an diese Fiktion geglaubt. Daß die politischen Lügen der Vergangenheit auch noch 1990 die Wahrnehmung trübten, ist deshalb erklärlich. Inzwischen wissen wir es, auch dank Gregor Gysi, besser. *UNTERSCHRIFT: Kronberg (Hessen) DR. ROLF SEISSER
Fast alles, was Gregor Gysi über die Denk- und Verhaltensweisen der ehemaligen DDR-Bürger geschrieben hat, ist auch gültig für die gegenwärtige Atmosphäre und Situation in Rumänien. Die Verwirrung und das Gefühl der Unsicherheit sind dort noch größer als in den neuen Bundesländern, weil da die Misere und das Elend noch tiefer sind. Aber die Leute in Rumänien hoffen naiverweise, daß sich die Wirtschaftslage mit der Privatisierung der Ökonomie sofort verbessert. *UNTERSCHRIFT: Wuppertal RADU NEGRU
Gysi hätte doch damals als linientreuer Parteigenosse seinen »alten Kampfgefährten« die Augen öffnen sollen und nicht jetzt, wo jeder »drüben« so einen Artikel veröffentlichen dürfte. Die Seite 38 des Artikels bringt mich derart in Rage, daß ich über soviel Unverfrorenheit des Herrn Gysi fassungslos werden könnte. Er stellt sich doch jetzt nur ein Armutszeugnis aus, wenn er sich plötzlich wissend stellt, früher aber nie gewagt hat, Realität und Wahrheit laut bei seinen Genossen zu äußern! *UNTERSCHRIFT: Heidelberg INGE REICHELT *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:
Blaues Wunder *EINLEITUNG: (Nr. 24/1991, Ferienwohnungen: Dubiose Geschäfte mit Timesharing) *
Sie haben mit dem Beitrag den Nagel auf den Kopf getroffen. Für mich kommt die Warnung jedoch zu spät, da ich seit Januar 1991 bei einem der »wenigen respektablen Firmen« dieser Branche Klub-Mitglied bin: bei Metro und RCI (Slogan: Das Tauschsystem, das funktioniert!). Bisher habe ich mein blaues Wunder erlebt! Funktioniert haben nur die prompten Abbuchungen von meinem Konto und das Ansteigen meiner Telefonrechnungen bei zahllosen Tauschversuchen bei RCI-Düsseldorf. Die Versprechungen bei der Kundenwerbung sind groß, gehalten wird sehr wenig. Ich kann nur jeden vor einem »Timesharing« warnen. Billiger, unkomplizierter und mit weniger Ärger verbunden bekommt man bessere Leistungen bei jedem respektablen Reisebüro um die Ecke. *UNTERSCHRIFT: Neusäß (Bayern) EGON KOBETZ
Leider haben Sie außer acht gelassen, daß nach einer Untersuchung der britischen »Office of Fair Trading« 66 Prozent der Ferienmiteigentümer und Timesharing-Erwerber ihre Entscheidung nicht bereuen. In den USA liegt der Zufriedenheitsgrad bei knapp 89 Prozent. Es ist ja die in derselben SPIEGEL-Ausgabe konstatierte Krise des Massentourismus (S. 218 bis 226), welche neue Urlaubsformen und die damit zusammenhängende Marktsegmentierung bewirken. Ferienmiteigentum und Timesharing sind zwar nicht als Kapitalanlage zu werten, aber auf einer Kombination der Vorteile von Eigentum und Miete beruhen sie allemal. *UNTERSCHRIFT: Hannover PROF. DR. INGOLF AHLERS Internationales Institut für angewandte Freizeitanalysen und Ferienmiteigentumsforschung e.V. *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:
Unselige Tradition *EINLEITUNG: (Nr. 25/1991, Denkmäler: Zigeuner wollen auf das Holocaust-Mahnmal) *
Entweder ein Denkmal für alle Opfer des NS-Regimes oder überhaupt keines! *UNTERSCHRIFT: Arnsberg (Nrdrh.-Westf.) RALF OTTO
Der Vorschlag, ein gemeinsames Mahnmal für alle Opfer des Holocaust zu errichten, hat einiges für sich. In aller Schärfe muß jedoch dagegen protestiert werden, daß mit Krawallaktionen ein so ernstes Thema in der Öffentlichkeit diskreditiert wird. *UNTERSCHRIFT: Duisburg PROF. DR. JULIUS H. SCHOEPS Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte
Herr Professor Jäckel und Frau Lea Rosh haben leider recht, wenn sie darauf bestehen, daß ein Zentrales Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden errichtet wird, und dies ausschließlich für die Juden. Eine Pauschalierung des Mordes und des Gedenkens an diesen Massenmord dergestalt, daß ein gemeinsames Denkmal für Juden und Sinti und Roma errichtet wird, würde das Recht der Zigeuner auf ein eigenes Erinnern und auf ihre eigene Trauer verkürzen. *UNTERSCHRIFT: Köln P. JOCHUM Rechtsanwalt
Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ausgerechnet Lea Rosh, die ich für eine der wichtigsten (und interessantesten) Journalistinnen der Republik halte, beteiligt sich an der unseligen Tradition ewiger Benachteiligung deutscher Sinti und Roma. Ja, sind denn 500 000 in Auschwitz, Birkenau, Buchenwald, Bergen-Belsen _(* Bei der Verleihung des ) _(Geschwister-Scholl-Preises in München ) _((1990). ) und anderswo ermordeten Sinti und Roma nicht genug, um gemeinsam mit den jüdischen Opfern geehrt zu werden? *UNTERSCHRIFT: Surwold (Nieders.) KAI ENGELKE
Daß ein Denkmal für die ermordeten Juden Europas jetzt endlich gebaut werden soll, muß unterstützt werden, denn es fehlt hier. Ich kenne keine Sinteza und keinen Sinto, die gegen ein solches Denkmal wären - aber ich weiß von vielen, die schmerzlich ein Mahnmal in Berlin-Marzahn und an den Orten der anderen Zigeuner-Gettos vermissen. *UNTERSCHRIFT: München KATRIN SEYBOLD
Jedem kritischen Bewußtsein zum Trotz wollen sich ein Anstandshistoriker und eine Dame von Welt verewigen, um ein weithin sichtbares Zeichen zu setzen, daß wir den Guten angehören. Dies ist nicht nur abgeschmackt, sondern auch politisch rückschrittlich. *UNTERSCHRIFT: Hamburg CRISTIAN LEHMANN CARRASCO
Geht man dem Vorschlag von Frau Rosh nach, die Gedenkstätte in Berlin in nächster Nähe zum Reichstag zu errichten, so eröffnet sich hier eine historisch einmalige Chance: Der neue deutsche Staat hat die Möglichkeit, deutlich zu machen, daß er sich seiner historischen Verantwortung bewußt ist. *UNTERSCHRIFT: Bamberg STEPHAN BACH
Eine Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe enthält eine Beilage Enzyklopädische Literatur, Dr. phil. Egon Müller, Seefeld, sowie des SPIEGEL-Verlages, Hamburg.
* Bei der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises in München(1990).