ERNST MAY - DER SPIEGEL
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Briefe

ERNST MAY
• aus DER SPIEGEL 22/1955
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ERNST MAY

(Nr. 19/1955, Städtebau)

So beachtlich und dankenswert Ihr umfangreicher Artikel über Architekt May ("Der Plan-Athlet") auch ist (ein richtiges städtebauliches Kolleg, das Ihnen in dieser Klarheit noch keine deutsche Zeitung »vorfabriziert« hat - denn es gehört nicht nur Geist, sondern auch Mut dazu, die breite Öffentlichkeit über fundamentale städtebauliche Fragen zu informieren, weil die Sehnsucht der Massen entgegengesetzt verläuft), so bewegt er sich doch leider Gottes in der Erkenntnistheorie der zwanziger Jahre, während in Nevada bereits die erste Modell-Versuchsstadt im Atomstil erbaut wurde. Der verantwortungsbewußte Städtebauer von heute kann nun mal eben nicht alle schönen Thesen von Trabantensystemen und Nachbarschaften an Hiroshima vorbeischleusen, ohne sich einer schweren Unterlassungssünde schuldig zu sprechen ... Die heilige Unantastbarkeit des Majestätsbegriffs vom Bodeneigentum scheint sich noch über den Strahlentod hinaus erheben zu wollen, nachdem sie den

Verkehrstod bereits siegreich überwunden hat - und an den ewig offenen Gräbern dieser zerstörten Hoffnungen des Städtebaues, der Landesplanung und Raumordnung sieht man in den hinteren Reihen der Trauergäste auch ein paar Bodenreformer und Architekten mit jenen Ideen, die nicht nur den Verkehrs-, sondern auch den Atomtod besiegen würden. Aber offenbar wird das Sterben bevorzugt, ehe man sich an Bau- und Bodenreformen heranwagt.

Schloß Hopferau

HANS MÜLLER Architekt

»Wir begrüßen die großzügige Planung für den Aufbau Neu-Altonas, erwarten aber auch, daß die zuständigen Stellen die Interessen der Grundeigentümer gebührend berücksichtigen.« - In diesem Satz des Vorsitzenden des Altonaer Grundeigentümervereins wird der heillose Widerspruch offenbar, an dem jede moderne bauliche Neuordnung scheitern muß.

Hamburg

CLAUS HOBERG

»Mit der Frisur eines Dandys«, apostrophieren Sie Ernst May in Ihrer Titelgeschichte. - Es ist vielleicht nicht uninteressant, zu bemerken, daß ein noch größerer Meister der Architektur, Walter Gropius, der Initiator und Gestalter der Dessauer Bauhaus-Richtung, die gleiche scheitellose Frisur bevorzugte und gewiß kein Dandy war.

Darmstadt

MICHAEL MORBACH

Ich darf wohl annehmen, daß Sie mich zur Genüge kennen, um mich nicht mit einem Dandy zu vergleichen. Ich trage von Jugend an meine Frisur »à la capote«, wie sie der Franzose benennt, weil sie einen kleinen Bruchteil der Zeit zum Ordnen benötigt, die der blöde Scheitel erfordert.

Florenz

ERNST MAY

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