Eskimos mit Schlips - DER SPIEGEL
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BÜCHER Eskimos mit Schlips

Karla Fohrbeck, Andreas Johannes Wiesand: »Wir Eingeborenen. Magie und Aufklärung im Kulturvergleich«. Leske Verlag, Opladen; 292 Seiten; 28 Mark.
• aus DER SPIEGEL 43/1981
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Deutsche Touristen schütteln über die heiligen Kühe der Inder den Kopf, wieder zu Hause gewähren sie ihren Hunden mehr Freiheit als den Kindern. Deutsche Ärzte verhöhnen die Heilkunst des afrikanischen Medizinmannes als »magischen Hokuspokus«, sie selber verordnen gegen Depressionen mitunter den »Urschrei« und kurieren Rheuma mit wundersamen Placebos. Deutsche Geschäftsleute zeigen mit Fingern auf die »faulen« Indios, aber noch im vergangenen Jahr annoncierte ein Anlageberater: »Weitere 5000 Südamerikaner brennen darauf, für Sie zu schuften, verdienen Sie mit!«

Die Moral des Buches von Karla Fohrbeck und Andreas J. Wiesand ist nüchtern: Bevor die angeblich aufgeklärten Europäer sich naserümpfend S.247 über den »Aberglauben« der Dritten Welt hermachen, sollten sie »selbst in den Spiegel schauen«. Auf Seite 86 etwa ist unter dem Bild eines Totenschädels, den eine Familie auf Neuguinea aufbewahrt, das Photo einer jungen Deutschen vor ihrer mit Poster-Stars dekorierten Zimmertapete zu sehen. Kommentar: »Hausaltar eines Rockfans.« Resümee: »Privater Ahnenkult.« Die Eingeborenen -- das sind wir!

Gegen die Realität vor unseren Augen werdende Horrorvision einer uniformen »Welt-Kultur«, in der »Thailänder, Perser und Eskimos« mit »Schlips und Kragen, mit Plastiktüte, Kofferradio und Aktenmappe« herumlaufen, engagieren sich Fohrbeck/ Wiesand für eine lebensnahe Spielart der »Wiederaufrüstung": für die des »kulturellen Pluralismus«.

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