EUROPA Essen wird Kult
Trauer in Görlitz, Jubel in Essen: Im EU-Wettbewerb um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2010 siegt der Kohlenpott knapp vor der Oberlausitz. Unter dem Motto »Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel« soll aus der Region nun eine »gigantische Großstadt im Grünen« mit neuen »zukunftsträchtigen Strukturen« werden. Kurz nach Bekanntgabe der frohen Botschaft bringt ein Kassensturz erste Bedenken. Den Kommunen fehlt es an Geld. Die Stadt Essen hatte mit einem Gesamtetat von 48 Millionen Euro gerechnet, finanziert aus öffentlichen und privaten Fördergeldern. Die Organisatoren freilich kommen auf stolze 78 Millionen, unklar ist, wie das Defizit beseitigt werden kann. Die benachbarten Ruhr-Kommunen wollen zwar vom dem Kultur- und Tourismusboom profitieren, sind aber selbst klamm und drängen ungeniert an die Fördertöpfe. Essen dürfe keineswegs »den Großteil des Geldes einstreichen«. NRW-Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff hat schon eine klassische »Subventionsmentalität« ausgemacht. »Die Kulturhauptstadt darf uns keinen Cent kosten«, sagt der Bürgermeister von Dorsten. NRW-Ministerpräsident Rüttgers will versuchen, den Bundeshaushalt anzuzapfen.