Ethisch handeln
Der britische Außenminister Robin Cook hat seinen Landsleuten eine »ethical foreign policy« versprochen. Auch wenn er das Versprechen nicht so ganz eingelöst hat - wenigstens in der deutschen Politik könnte damit ernst gemacht werden. Sicherlich ist es nicht möglich, in der Zeit der Globalisierung dem erpresserischen Druck der angeblich freien Finanzmärkte absolut standzuhalten. Aber Deutschland ist aufgrund seiner scheußlichen nationalsozialistischen Vergangenheit geradezu verpflichtet, das politische Handeln von Ethik bestimmen zu lassen. Mahnmale sind nicht der richtige Weg, auf die richtigen Taten kommt es an. Die Rüstungsindustrie, die mit Maschinen für den Massenmord ihr Geld verdient, dürfte in Zukunft in Deutschland kein Heim haben. Die Bundeswehr müßte aufgelöst werden, und alle diejenigen, die deshalb ihren Job verlieren, sollen gesellschaftlich Nützliches tun: etwa als Polizisten, Sozialarbeiter, Altenpfleger oder Krankenpfleger arbeiten. Prachtbauten, beispielsweise für die Regierung in Berlin, Denkmäler für abgedankte Politiker und peinliche Mahnmale würden nicht gebaut, und das so gesparte Geld würde die Löhne dieser Menschen finanzieren. Außerdem wird die Arbeit besser verteilt: Alle Betriebe müssen ein Jobsharing anbieten. Es wird in dieser Zukunft nicht nur Mindestlöhne, sondern auch Höchstlöhne geben. Irgend jemand hat mal gesagt: Wer 10 000 Mark im Monat verdient, kann sich nicht mehr mit jemanden unterhalten, der 2000 Mark verdient. Wenigstens ein bißchen müssen wir doch von den Theorien des Kommunismus gelernt haben. Natürlich gibt es noch vieles, was man sich wünschen würde von dieser ethisch handelnden Regierung. Mehr Kulturverständnis, eine größere Distanz zu den Medien, Kontrolle der Pharmabetriebe und anderen Ausbeutern, die sich in der wildgewordenen kapitalistischen Gesellschaft so angenehm bereichern. Es wäre schön, wenn es endlich ein Umdenken gäbe: Wenn die Sicherung von Alters- und Krankenrenten wichtiger wäre als der Bau neuer Autobahnen.
Das sind alles utopische Träume. Denn diese allgemeinen Verbesserungen bedeuten für ein paar Privilegierte eine Verschlechterung. Und diese wenigen sind es, die die neue Regierung stützen. Nur ein Mann fürs Volk, der das Volk bewegt, kann etwas ändern. Doch einen neuen Ghandi sehe ich weit und breit nicht.