ETZELS ABLASS - DER SPIEGEL
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Briefe

ETZELS ABLASS
• aus DER SPIEGEL 29/1958
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ETZELS ABLASS

Auch Finanzminister Etzel versteht, »Sand in die Augen zu streuen«, gleich den meisten Regierungsmitgliedern.

Hamburg 20 UWE KROLL

Der Herr Bundesfinanzminister ist der Meinung, daß durch das Sparprämiengesetz ein zusätzlicher Spareffekt zugunsten des Kapitalmarktes ausgelöst wird. Staatlich gelenkte Sparaktionen haben dem Kapitalmarkt noch nie einen wirtschaftlich nachhaltigen Auftrieb gegeben, und viele Banken haben sich in ihren Geschäftsberichten für 1957 auch gegen eine Wiederholung derartiger Experimente ausgesprochen. Die Zulassung anonymer Sparkonten wie in Österreich und in der Schweiz wäre dagegen ein wirklicher Schritt zu einer Reform unserer Steuergesetzgebung im Hinblick auf das Sparaufkommen breiter Schichten.

Baden-Baden KLAUS WALLRATH

Herr Finanzminister, es hilft alles nichts; der normale Steuerzahler bleibt eigentlich nach wie vor betrogen. - Und weiter betrogen bleiben zum Beispiel die Sparer, wenn man unfein daran erinnern darf, deren Uraltguthaben noch nicht aufgewertet wurden, weil die Betreffenden am Stichtag ihren ständigen Wohnsitz noch nicht in der Bundesrepublik hatten.

Düsseldorf RUDOLF STÄNDER

Herr Etzel irrt, wenn er sagt, daß der Wiederaufbau und die Überwindung der Engpässe wesentlich durch die Hilfestellung der Steuergesetzgebung beeinflußt worden seien. In allererster Linie waren es die Millionen fleißiger Hände aus dem Osten, welche die auch im Westen gerissenen Lücken füllten und darüber hinaus zusätzliche Arbeit leisteten und der Gesamtwirtschaft zusätzliche Gütermengen jeder Art zur Verfügung stellten. Das wirklich Bewegende in der Wirtschaft ist nämlich die Arbeitsleistung des Gesamtvolkes und nicht das Geld.

Oldenburg DR. HANS ULRICH HEINKE

Es zeugt zwar von einer gewissen Einsicht, daß Herr Minister Etzel die Steigerung der Lebenshaltungskosten innerhalb eines Jahres um 3,3 Prozent nicht in Abrede stellt. Er entrüstet sich aber über den Ausdruck »Entwertungsprämie« und bezeichnet ihn als bösartig und möchte die Sonderzinsen nicht als Trostpreis gegen eine etwaige Entwertung bezeichnet haben. Wie gedenkt denn der Herr Minister einer »etwaigen« Steigerung der Lebenshaltungskosten zu begegnen und auf welche Art will er dann die Sparer schadlos halten?

München 13 CURT HELLNER

Ingenieur

Zum Spesenrittertum: Hat Herr Etzel hier praktische Maßnahmen getroffen? Die teilweise dreistelligen Tagesspesensätze, die für Auslandsreisen erlaubt sind, müssen drastisch gesenkt werden; denn solange ein Anreiz besteht, die Firmengewinne durch forcierte Auslandsspesen zu mindern, ist keine Gesundung betrieblicher und damit preislicher Kalkulationen möglich. Die Folgen trägt der Verbraucher.

Wiesbaden BEN G. RITTER

Dipl. rer. pol.

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