Eugen Drewermann - DER SPIEGEL
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Eugen Drewermann

• aus DER SPIEGEL 52/1991
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ist der populärste und umstrittenste katholische Theologe im deutschsprachigen Europa.

Der Priester und Psychotherapeut Drewermann, 51, lebt in Paderborn ohne Telefon, Auto und Kühlschrank. An hundert Tagen des Jahres ist er unterwegs und hält Vorträge, predigt und meditiert in vollen Sälen und im Fernsehen.

Seine bislang 38 Bücher sind in einer Million Exemplaren verbreitet. Kein anderer Theologe hat derzeit so viele Ungläubige und Kirchenferne unter seinen Hörern und Lesern.

Vor zwei Monaten entzog der Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt dem bis dahin an der Paderborner Kirchlichen Hochschule tätigen Privatdozenten die kirchliche Lehrerlaubnis. Er drohte ihm überdies an, ihn aus dem Priesteramt zu entfernen, wenn er nicht »bereitwilliger und deutlicher die Gemeinschaft mit der Kirche und mit mir als seinem Bischof bekundet«.

Drewermann hat Philosophie in Münster, Theologie in Paderborn und Psychoanalyse in Tiefenbrunn bei Göttingen studiert. Er übersetzte und kommentierte das Markus-Evangelium (ein Matthäus-Kommentar erscheint im Frühjahr 1992) und verfaßte mehrbändige Werke über »Psychoanalyse und Moraltheologie« sowie über »Tiefenpsychologie und Exegese«.

»Tiefenpsychologisch gedeutet« hat er die »Kindheitsgeschichte nach dem Lukasevangelium«, Grimms Märchen (zehn Bände) und Saint-Exuperys »Kleinen Prinzen« (in seinem bislang bestverkauften Werk »Das Eigentliche ist unsichtbar").

Die katholische Kirche begann ihre Auseinandersetzung mit Drewermann vor acht Jahren, als sie ihn wegen seiner Kritik an ihrer Umweltpolitik keine Religionslehrer mehr fortbilden ließ. Drei Jahre später wurden erstmals die römischen Glaubenswächter gegen ihn tätig, als er von der Kirche verlangte, Zweitehen von Geschiedenen zu trauen.

Fast fünf Jahre zog sich die Korrespondenz zwischen Drewermann und Erzbischof Degenhardt hin, der seine Briefe zunächst an den »lieben Mitbruder« und zuletzt an den »sehr geehrten Herrn Dr. Drewermann« richtete.

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