EVERGREEN
Dr. Grzimek ist neben anderem ein Mann der Literatur, meinetwegen der Fachliteratur. Der Ton des Aufsatzes über ihn hat mir sehr mißfallen. Grzimek hat unbestrittene Verdienste. Er ist ein Erzieher im weitesten Sinne des Wortes. Er hat viel Gutes gestiftet und andere zum Guten angeregt. Er mag Fehler gemacht haben, die aber macht jeder. Im Westen haben wir wenige Menschen mit einem edlen Idealismus, der auf zeitgemäße Weise vorgetragen wird und dadurch viele Zeitgenossen tatsächlich anspricht. Grzimek
vermag das. Aber Ihre Titelgeschichte hat vielleicht manchen Leser veranlaßt zu denken: » Der ist also auch nicht echt und daher abzuschreiben.« Das wäre sehr traurig. Es ist tragisch genug, daß die Menschen im Westen nur noch an wenig Gutes, Edles, Positives glauben.
Hamburg ROLF ITALIAANDER
In einer Bildunterschrift stellten Sie mich als Grzimek-Kritiker heraus (was anscheinend für viele gleichbedeutend mit Grzimek-Gegner ist). Besser hätten Sie mich als Grzimek-Märtyrer eingestuft, gingen doch die Bannstrahlen, die mich erreichten, über Feststellungen wie »ich hätte das neue deutsche Kulturerbe besudelt« bis »meinen stinkenden Kadaver würden noch nicht einmal die Löwen in der Serengeti anrühren« (was ich ihnen auch gar nicht verdenken kann). Vielleicht mag es die Grzimek-Gemeinde beruhigen, daß jener in Teilen aus »Wild und Hund« zitierte Diskussionsbeitrag ein Vorwort hatte, in welchem ich schrieb:
Ich möchte ausdrücklich betonen, daß die nachstehende kritische Beleuchtung einiger Punkte aus den Beiträgen von Herrn Dr. Grzimek nur für den Rahmen einer erweiterten Fachzeitschrift gedacht ist. Durch die unzweifelhaft weitreichende werbende Wirkung des Autors mit seinen Büchern, seinen Filmen, Fernsehsendungen und nicht zuletzt auch sein praktisches Wirken ist er zu einem wichtigen Sprachrohr für den Gedanken des Schutzes der Natur - insbesondere der Tierwelt - geworden. Bei der ohnehin nur schwach besetzten »Grünen Front« müssen wir mit jedem Verfechter und Exponenten unserer Idee, ganz gleich, welche persönliche Meinung er hat, zu einem gemeinsamen Tun kommen. Es ist nun einmal eine paradoxe Erscheinung unseres Massenzeitalters, daß nicht die Idee allein zieht, sondern diese immer erst im Zusammenhang mit einer Person - sei es in der Politik, im Sport - zur Verkörperung dieser Idee wird. Setzt sich nun bei dem
Mann auf der Straße langsam der Eindruck fest, erst mußte ein Dr. Grzimek kommen, um die Serengeti zu retten, dann sollte dies nicht zum Anlaß einer Kritik genommen werden, wenn wirklich etwas dabei für dieses Schutzgebiet erreicht werden konnte oder kann.
Ob man nun eine rein sachlich dargelegte Feststellung gleich mit einem Angriff verbinden muß, wie Briefschreiber Dr. Backhaus in Verteidigung seines Chefs ausführt, sei dahingestellt, zumal das Grzimek-Material nur auf den Erhebungen (und diese durch tragische Umstände noch nicht einmal vollständig über eine jahreszyklische Tierwanderung in der Serengeti basierte. Ein massives Vorgehen in diesem Sinne können doch wohl erst die Ergebnisse der weiteren Forschungen rechtfertigen.
Hamburg HENRY MAKOWSKI
Italiaander
Makowski