Explosion - DER SPIEGEL
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Briefe

Explosion
• aus DER SPIEGEL 9/1948
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Explosion

Hochachtung vor Fehling? ("Spiegel« Nr. 8). Als Ihr Artikel durch die Setzmaschinen gejagt wurde, passierte in Berlin das, was die »Skeptiker« in Ihrem Artikel prophezeit hatten: Die Explosion am Hebbel-Theater. Herr Jürgen Fehling der neue Intendant des Hauses, führte sich gleich richtig ein. Kurz vor der Premiere von »So war Mama« sagte er Käthe Dorsch, der Hauptdarstellerin, mitten ins Gesicht: »Ich kann Ihren weißgepuderten ... nicht mehr sehen«. Die vier Punkte stehen aus Anstand da, mit dem harten Wort meinte er aber Frau Drorschs Gesicht. Käthe legte sich chokiert ins Bett.

Das stärkste Stück leistete sich Fehling aber gegenüber dem Amerika-Heimkehrer Fritz Kortner. Ich sprach Schauspieler, die hörten, wie der allgewaltige Intendant sich in groben antisemitischen Ausfällen gefiel.

Die Liste der Fehlingereien ließe sich beliebig verlängern, aber in manchen Dingen scheint der Regisseur ein großes Kind zu sein; verspielt beschmierte er z. B. mit einem Lippenstift eine Säule in der Kunsthochschule, als man dort maskenballte.

Abgesehen davon, daß Fehling sich selbst als Uebermensch fühlt, muß man sagen, er ist ein Mensch, den man nicht mit gewöhnlichen Maßstäben messen kann. Seine Flegeleien und Taktlosigkeiten sind bekannt, aber beruflich muß man wirklich Hochachtung vor ihm empfinden. Die verantwortlichen Männer in Berlin zerbrechen sich darüber jetzt den Kopf, wie sie Fehling irgendwie für das Berliner Theater retten können. Ich glaube, das Beste wäre, mit ihm einen festen Regisseur-Vertrag abzuschließen, den Intendanten-Posten aber mit einem klugen Mann zu besetzen, der Grobheiten hören kann, ohne sich zu verschlucken. Ein Intendant mit der nötigen Stiernackigkeit wird auch einem Fehling standhalten können.

Berlin-Tempelhof

JÖRG JENNER

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