Extra-Spur - DER SPIEGEL
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Briefe

Extra-Spur
• aus DER SPIEGEL 6/1972
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Extra-Spur

(Nr. 3/1972, Rom -- Nulltarif)

Der Ausgang des römischen Experiments mit dem Nulltarif kann auf keinen Fall so gedeutet werden, daß der Nulltarif zur Lösung innerstädtischer Verkehrsprobleme ungeeignet sei. Wenn nicht mehr Busse als die schon überfüllten eingesetzt werden, die zudem auch nicht schneller zum Ziel führen als der eigene Pkw, kann kein vernünftiger Mensch auf die Idee kommen, den Sitzplatz in seinem Wagen mit einem engen Stehplatz im Bus zu vertauschen.

Braunschweig VOLKER BITTMANN BERND SONNTAG Arbeitskreis Umweltschutz

Eine solch isolierte Maßnahme, wie sie in Rom durchgeführt wurde, mußte fehlschlagen. Denn einerseits schreckte der Gedanke, nach neun Tagen sei wieder alles so, wie es war, die Pkw-Fahrer von einem »Umsteigen« ab, und andererseits würde ich auch nicht mit dem Bus etc. fahren, wenn ich sehe, daß die Menschen im Bus nebenan genauso schnell vorankommen und dazu noch die Drängelei und schlechte Luft (zusätzlich zum Abgas) ertragen müssen. Kurzfristig und billig gibt es meines Erachtens nur folgende Maßnahmen, die Bürger dazu zu bringen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Mehr Attraktivität wie niedrige Preise, höhere Fahrfrequenzen und bessere Anschlüsse und Verbindungen reichen dafür nicht aus; der Pkw-Fahrer muß einerseits gezwungen werden. »umzusteigen«, andererseits muß er das Gefühl haben, sich aus eigener Erkenntnis zu diesem Schritt entschieden zu haben. Wie erreicht man dies? Erstens hilft hierbei eine generelle Vorfahrt für Linienbusse und Straßenbahnen. Zweitens müssen auf allen Straßen (außer den zwei- bis dreispurigen), auf denen öffentliche Verkehrsmittel fahren, für diese zwei eigene Spuren, abgetrennt durch Bordsteine, bereitgestellt werden. Damit wird ein zügiges Vorankommen der Busfahrgäste gewährleistet, und damit wird das Verkehrschaos für die Einzelfahrer noch größer und unerträglicher.

Düsseldorf WULF POPPEK

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