Extrem satt - DER SPIEGEL
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EL SALVADOR Extrem satt

Die USA versuchen, ein schwaches Regime zu unterstützen. Doch der Bürgerkrieg ist wohl nicht mehr zu vermeiden.
• aus DER SPIEGEL 11/1980
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Von der Kanzel herab predigte Erzbischof Oscar Arnulfo Romero von San Saivador Politik: »Ich habe an Präsident Carter geschrieben, er solle sich nicht in mein Land einmischen, wenn er die Menschenrechte verteidigen will.«

Doch die Warnungen des Oberhirten blieben ohne Gehör. Mit 50 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe und fünf Millionen Dollar Militärhilfe will Washington die Regierungsjunta aus Christdemokraten und gemäßigten Militärs stützen. »Militärhilfe«, fürchtet aber Erzbischof Romero, »würde nur zu einem größeren Blutbad führen.«

Denn der Bürgerkrieg zwischen linken Guerrilleros, die sowohl marxistische als auch sozial-demokratische Gruppen umfassen, und rechtsextremen Terrortrupps ist wohl kaum mehr zu vermeiden. Und das erhöht die Gefahr von Massakern. Schon rief die »Nationale Versammlung der Kaffeepflanzer« das Heer dazu auf, »ein Exempel wie 1932 zu statuieren«. Damals wurden 30 000 aufständische Bauern vom Heer niedergemetzelt.

Dennoch hoffen die USA, die Junta so lange an der Macht halten zu können, bis sie sich durch soziale Reformen gefestigt hat. »Unsere Unterstützung«, so State-Department-Sprecher Tom Reston in Washington, »ist gebunden an eine reformwillige Regierung.«

Willig sind die jungen Militärs der Junta sicher: Um den Linken das Wasser abzugraben, wollen sie die Banken verstaatlichen und die Großgrundbesitzer enteignen. Doch seit sie im vergangenen Oktober den Diktator Romero stürzten, haben sie die Kontrolle über ihr eigenes Heer verloren.

Sozialdemokrat Manuel Guillermo Ungo war aus diesem Grund im Januar aus der Regierungsjunta ausgetreten: »Die Demokratisierung war nicht mehr möglich«, begründet er seinen Schritt.

Schon vor zwei Wochen wollten rechtsextreme Offiziere die Junta durch einen Putsch beseitigen. Die Drohung Washingtons, die versprochene Hilfe werde dann ausbleiben, brachte sie wieder davon ab.

Lange aufschieben werden die Verschwörer ihren Schlag wohl kaum. »Die Linken sind weder militärisch noch politisch darauf vorbereitet, jetzt die Macht zu übernehmen«, erklärte ein Diplomat in El Salvador. »Die Rechten glauben aber, daß das Heer in einem baldigen militärischen Konflikt die Linken wird ausmerzen können.«

Die Unterstützung einer Junta, deren Überlebenschancen sehr gering zu sein scheinen, hat nun auch in Washington zu heftigem Streit geführt. Während Beamte des Außenministeriums vermeiden wollen, daß die USA wie in den 60er Jahren in Vietnam in ein stets stärkeres Engagement hineingleiten, verlangt der ehemalige radikale Vietnamkriegs-Gegner Robert Pastor, heute Lateinamerika-Experte im Nationalen Sicherheitsrat, ein hartes Durchgreifen in El Salvador, um den kubanischen Einfluß einzudämmen.

Sogar die direkte Intervention hat Anhänger gefunden. »Das Pengaton will die Marines da haben«, klagte ein Beamter des State Departement der »Washington Post«. »Die wollen zeigen, daß sie einen Guerilla-Krieg gewinnen können.«

Doch auf die Marines wird US-Präsident Carter nach Afghanistan sicher verzichten. Dafür könnte ein Ersatzheer die brenzlige Aufgabe übernehmen: Nachrichtendienste in Washington schätzen, daß sich bis zu 10 000 ehemalige Nationalgardisten Nicaraguas, Exil-Kubaner aus Miami und sogar einige »pensionierte« Offiziere aus Argentinien in den benachbarten Ländern auf ein Eingreifen vorbereiten.

Die Vorbereitungen zu einem »Invasionsheer« seien, so Augusto Cotto, Sprecher der linken »Vereinigten Aktionsfront« El Salvadors, in Guatemala schon angelaufen. Die Hazienda Chiquimula des Ex-Präsidenten Guatemalas Carlos Arana Osorio, sowie die Ländereien der Familie Salvarria in der Provinz Ahuachapan von El Salvador seien die wichtigsten Stützpunkte der Eingreiftruppe.

Washington versucht unterdes, in Bonn oder Madrid Unterstützung für seine Politik zu finden -- bislang erfolglos. »Diese Junta ist die letzte Regierung vor einer unerfreulichen Entwicklung«, erklärte ein Bonner Diplomat. In ein so schwaches Regime will Bonn nichts investieren.

Kritische Beamte des State Department sehen den einzigen Ausweg in der Zusammenarbeit mit den linken Organisationen, um damit die rechten Militärs von der Macht fernzuhalten.

Alles spricht dagegen, daß das noch klappt. »Wir werden uns aller Linken entledigen«, erklärte ein Oberst a. D., Mitglied einer rechten Terror-Organisation. Und der ehemalige Chef des Militärgeheimdienstes von El Salvador, Major Robert d'Aubuisson: »Wir sind nicht extrem rechts, wir haben es nur extrem satt.«

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