Fälliger Test
(Nr. 43,1973, SPIEGEL-Titel über den Nahost-Krieg)
Nur wenige bemühten sich, objektiv zu urteilen, der SPIEGEL gehört dazu.
Minden (Westf.) INGRID MIRZA
Die Großen schickten die Waffen, die Kleinen hielten die Köpfe hin.
Weilheim (Bayern) INGEBORG DEGELE
Wollte Israel Frieden, wenn es die emigrierten Juden auf den Golan-Höhen und in West-Jordanien ansiedelt? Die Schlacht ist eigentlich nicht eine um Israel, sondern eine Schlacht für das Selbstbestimmungsrecht des vertriebenen Volkes.
Würzburg HAYSAM FADEL
Es gibt da noch Stimmen, die behaupten, die Großmächte hätten im Nahen Osten zeitweise die Übersicht verloren. Davon kann aber keine Rede sein. Es war ihre volle Absicht. ihre neuesten Waffensysteme wieder einmal dem fälligen Test zu unterziehen. Diese günstige Gelegenheit konnte man nicht vorübergehen lassen. Zwei Fliegen haben sie dazu noch mit einer Klappe geschlagen: Schlagartig haben sie die Runde beendet, den Boxern die Handschuhe ausgezogen, die sie jetzt auf allen Sicherheits- und Abrüstungsverhandlungen vorzeigen können. Gleichzeitig haben sie gezeigt, wer hier die Ringrichter sind und wer die zahlenden Gäste.
Holtensen (Nieders.) MARTIN LANGE
Nach dem alten kriminalistischen Grundsatz »Wem nützt es« vorgehend. kommt man unweigerlich zu dem Ergebnis: Amerikanische Rüstungsfirmen sahen -- über die Regierung der USA
in Israel einen neuen Waffenmarkt, nachdem Vietnam ausgebrannt war. Die Sowjetunion, der eine Vietnam-Erfahrung fehlt, hatte hier eine gute Gelegenheit, ihre neuen Luftabwehrsysteme zu erproben bei lediglich finanziellem Risiko.
Saarbrücken HORST M. PHILIPPI
Ob Israel jemals im Frieden leben kann. ist sehr zu bezweifeln! Solange die Araber (alle Staaten) den Staat Israel als Fremdkörper und nicht als Staatennachbar betrachten und der Unterstützung der Steigbügelhalter Sowjet-Union, der Ostblockstaaten sicher sind, wird die Verwirklichung des Wortes Frieden ewig ein Wunschtraum bleiben. Dazu kommt noch, daß es in der Zukunft Waffen geben wird, die ein Land wie Israel auch ohne Bodentruppen (in seiner alten Form) mit einem Schlag vernichten kann.
Hamburg KURT GRUN
Warum stellen die USA nicht ihr Territorium für die jüdischen Zionisten zur Verfügung? Aber die Palästinenser durften und die benachbarten arabischen Staaten dürfen unter dem Expansionsdrang der Zionisten leiden.
Bonn URSULA GÜLZOW
Die Frage, worin der Unterschied besteht. wenn man jemandem eine Waffe »in die Hand drückt«, damit er dem anderen den »Schädel einschlägt«, oder man tut es gleich selbst, kann ich nur damit beantworten, es gibt keinen! Die Männer -- sagen wir die zwei mächtigsten unseres Planeten -, die sich noch vor nicht allzulanger Zeit mit einer wahren Friedenseuphorie vor den Augen aller Welt umarmten, legten nunmehr ihre Karten auf den Tisch.
Wolfsburg (Nieders.) LOUIS KUMMER
Dem flüchtigen Betrachter des Titelbildes fällt nur die Fahne der USA ins Auge. so daß bei ihm falsche Assoziationen geweckt werden können. Aber auch dem genauen Leser wird durch diese Darstellung kein abgewogenes Bild der Waffenlieferungen der Großmächte gegeben. Dieses einseitige Bild bietet Anlaß zur besorgten Frage, ob sich auch in der Redaktion eine einseitige Parteinahme zum Nahost-Krieg breitgemacht hat. Der SPIEGEL sollte doch in Zukunft darauf achten, das gerade bei solchen Gelegenheiten die Neutralität der Berichterstattung und die Abgewogenheit der bildlichen Darstellung bewahrt wird.
Neheim (Nrdrh.-Westf.) LUDGER HENGSBACH
Wenn Amerika und die Sowjet-Union. nicht durch Waffenlieferungen diesen Krieg verlängert hätten, wäre das Blutvergießen bald zu Ende gewesen. Die Völker müssen endlich begreifen. daß Krieg nichts einbringt als Leid und nochmals Leid. Imponieren kann nur der, der sich um den Frieden verdient macht.
Eutin (Schl.-Holst.) BRIGITTE BENZ