Fairness
Robert M. W. Kempners Nürnberger Memorien über die Diplomatenbrüder Kordt (SPIEGEL-Briefe Nr 23) ist bei aufmerksamer Durchsicht doch nicht ganz von jener objektiven Fairness getragen, die er sich darin selbst zuerkennt. Wie könnte er sonst dem keineswegs freundlichen Urteil des Lord Vansittart einen eigenen Kommentar anhängen, in dem er die Diplomaten alter Schule ohne weiteres kaltstellen möchte (seit dem Weizsäcker-Urteil ist die Meinung alliierter Sachkenner über sie bei uns etwas in Mißkredit geraten). Es ist meiner Ansicht nach kein »Aberglaube«, wie Kempner meint, die deutsche Außenpolitik ohne die alten Berufsdiplomaten anlaufen lassen zu können. Blutfrische Anfänger, auch mit politischer oder wirtschaftlicher Praxis, könnte der deutsche Auswärtige Dienst kaum so »glänzend« verwerten, ohne sie vorher durch Kundige für diesen Dienst vorbereitet zu haben.
Bonn
HANS POLLMANN
Mit der Zuschrift von Dr. Robert M. W. Kempner in Nr. 23 über die Brüder Theo und Erich Kordt bin ich nicht einverstanden. Alle Beteiligten kenne ich persönlich nicht, aber als Deutsche frage ich mich, worin die von Herrn Kempner sich selbst attestierte Fairness den Brüdern Kordt gegenüber liegt.
Bad Godesberg
ERIKA GERSTEIN