»Falsche Antwort« - DER SPIEGEL
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KRIEGSBERICHTERSTATTUNG »Falsche Antwort«

N-tv-Programmchef Helmut Brandstätter, 46, über die Selbstzensur-Forderungen bei seinem Partner-Kanal CNN
• aus DER SPIEGEL 45/2001
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SPIEGEL: Walter Isaacson, Chef Ihres Partnersenders CNN, forderte von seinen Korrespondenten jüngst mehr Zurückhaltung bei Berichten über afghanische Kriegsopfer. Ein Aufruf zur Selbstzensur?

Brandstätter: Grundsätzlich gilt, dass die Terroristen nicht nur das World Trade Center angegriffen haben, sondern unsere westliche Gesellschaftsordnung. Zu der gehört auch das Recht auf freie Meinungsäußerung. Da ist jede Art von Zensurvorgabe - von wem auch immer - die falsche Antwort.

SPIEGEL: Wird der Patriotismus der US-Medien nicht langsam selbst zur Gefahr?

Brandstätter: Ich habe viel Verständnis für Patriotismus, wo er hilft, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, und bewundere die Amerikaner sogar dafür. Aber Journalisten dürfen sich von keiner Seite instrumentalisieren lassen. Sie müssen sagen und zeigen, was ist.

SPIEGEL: Wie will n-tv den CNN-Sprachregelungen entgehen? Ihr Sender bedient sich mit Bildern und Analysen doch fast ausschließlich beim großen US-Bruder.

Brandstätter: Bei Bildern: ja. Bei Analysen: nein. Es würde uns ein Wahnsinnsgeld kosten, im Krisengebiet mit eigenen Teams und qualitativ so gut wie CNN vertreten zu sein. Aber die kommentierende Einordnung des Bildmaterials müssen wir uns leisten. Und das tun wir auch.

SPIEGEL: Es läuft auf eine Einschätzung der Frage hinaus, inwieweit sich die USA nun in Afghanistan selbst schuldig zu machen drohen.

Brandstätter: Genau. Und da haben wir einen kritischeren, einen deutschen Blickwinkel. Das akzeptieren aber auch die CNN-Leute in unserem Aufsichtsrat durchaus.

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