Fassungslose Fragen
(Nr. 43/1981, SPIEGEL-Interview mit Heinrich Böll über die Rettung vietnamesischer Flüchtlinge durch die »Cap Anamur")
Die fassungslose Frage an Heinrich Böll, ob man denn selbst einen vietnamesischen Bombenpiloten -- offenbar für den Reporter der Inbegriff der Verworfenheit -- retten solle, und die hilflose Erwiderung auf Bölls bejahende Antwort, um dies zu verstehen, müsse man wohl Christ sein, zeugt gleichermaßen von Beschränktheit wie Brutalität.
Hamburg DR. KARL FREIHERR VON HAHN
»Angesichts der Tatsache, daß unsere Bevölkerung offenbar abnimmt, bin ich nicht nur für ein sehr liberales Einwanderungsgesetz, sondern auch für ein sehr liberales Einbürgerungsgesetz.« So Böll. Angesichts dieser merkwürdigen Argumentation, scheint die Logik von Herrn Böll ein bißchen mangelhaft zu sein.
Wenn nämlich jedes Land mit sinkender Bevölkerung Menschen aus völlig fremden Kulturen und Zivilisationen wie Waren importieren sollte, um die Löcher in der eigenen Bewohnerzahl zu stopfen, dann würde das Konzept »sozialer Babelturm« bald Realität werden. Zwar würde die Rechnung, rein mathematisch gesehen, doch stimmen, fragt sich nur mit welchen Konsequenzen auf dem sozialen Gebiet.
Würde man also den Wünschen von Böll entgegengehen, dann wäre bald die Frage reif: Sollen die Deutschen ein Volk von Vietnamesen werden?
Paris PROF. DR. CLAUDIO GUIDI
Die Auslassungen Heinrich Bölls, auch den Wirtschaftsasylanten die Bundesrepublik zu öffnen, können nur als das verantwortungslose Gerede eines unverantwortlichen »Dichters« klassifiziert werde, der fernab jeder Wirklichkeit schwebt.
Wer so die drangvolle Enge des viertdichtest besiedelten Landes der Erde noch vergrößern will, kann das wohl nur aus der Perspektive eines Refugiums im menschenleeren Irland tun, in das Herr Böll retirieren kann.
Stuttgart PROF. DR. PETER SCHADE
Seit Beginn des Unternehmens habe ich mich in meiner Eigenschaft als haushaltspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion (Christdemokraten) für eine inhaltliche und finanzielle Unterstützung des Flüchtlingsschiffes »Cap Anamur« durch die Europäische Gemeinschaft eingesetzt.
Zur Zeit sammele ich im Europäischen S.8 Parlament Unterschriften für einen neuen Entschließungsantrag, der darauf abzielt, der »Cap Anamur« für das Jahr 1981 ungefähr 500 000 Mark und für 1982 eine Million Mark zur Verfügung zu stellen. Diesen Antrag haben bisher über 100 Kollegen unterschrieben. Neben einer großen Anzahl von Mitgliedern meiner Fraktion konnte ich unter anderem auch den Vorsitzenden der Konservativen Fraktion, Scott Hopkins, und der Gaullisten, Christian de la Malene, für diesen Antrag gewinnen. Auch der Vorsitzende der Liberalen Fraktion, Martin Bangemann, hat seine Unterschrift zugesagt.
Trier HORST LANGES Staatssekretär a. D. Mitglied des Europäischen Parlaments