SEUCHE Fatale Fehler
Die britische Regierung unter Premierminister Tony Blair, so zeigt eine von ihr selbst in Auftrag gegebene Untersuchung, hat bei der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche (MKS) im Frühjahr vergangenen Jahres versagt. Vor allem das Landwirtschaftsministerium versäumte es, angemessen schnell auf die Ausbreitung der hochinfektiösen Tierkrankheit zu reagieren. Die Epidemie konnte deshalb - nicht zuletzt wegen ihrer verheerenden Auswirkungen auf den Tourismus - einen Schaden von acht Milliarden Pfund (12,5 Milliarden Euro) anrichten. Trotz eines weiträumigen Ausbruchs der Seuche im Jahre 1967, so zeigt der Report, existierten keine brauchbaren Pläne für den Notfall. Der Agrarminister ließ zudem nach der Entdeckung von MKS im Februar vergangenen Jahres drei Tage verstreichen, bis er ein generelles Transportverbot für Tiere verhängte. Die Armee wurde erst 25 Tage nach der Diagnose MKS den hoffnungslos überlasteten Veterinären zur Hilfe geschickt. Entscheidende Ursache für die anfängliche Verharmlosung der Epidemie, zu deren Eindämmung schließlich 4,2 Millionen Tiere, vor allem Schafe, gekeult wurden, war politisches Taktieren. Die Labour-Regierung hatte Unterhaus-Wahlen geplant, die sie dann doch um einen Monat verschieben musste. Premierminister Tony Blair wird zwar in dem von einem ehemaligen Berater erstellten Report nicht direkter Manipulationen bezichtigt, dennoch heißt es, »die Verzögerungen« seien dem Wunsch entsprungen, so kurz vor dem Wahltermin keine »negativen Signale über den Ernst der Krise auszusenden«.