»Fauler Sack« - DER SPIEGEL
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Briefe

»Fauler Sack«
• aus DER SPIEGEL 10/2008
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

»Fauler Sack«

Nr. 8/2008, Elterngeld: Immer mehr Väter kümmern sich um den Nachwuchs

Warum wird dieser kurzen Phase nach der Geburt - in der die Kinder sehr wohl versorgt, aber noch nicht wirklich erzogen werden müssen - diese übertriebene Bedeutung zugeschrieben? Die Kinder werden danach noch lange Zeit brauchen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Erst dann wird entschieden, wer wieder zurück ins Berufsleben geht und wer der Familienmanager ist. Wirklich gleichberechtigte Eltern gibt es nur bei Selbständigen - und im Öffentlichen Dienst, der familienfreundliche Arbeitszeiten auf Kosten der Steuerzahler anbieten kann und auch verstärkt anbieten sollte. Die Elternzeit taugt hierzu nicht.

STUTTGART CHRISTIANE RUMETSCH

Obwohl meine Tochter bereits vor Inkraft- treten der neuen Regelung geboren wurde, habe ich die Elternzeitregelung in Anspruch genommen. Da ich mich in einer Ausbildung im Öffentlichen Dienst befand, konnte ich keine Teilzeit beanspruchen, sondern musste gleich ein ganzes Jahr aussetzen. Die Entscheidung ist zwar vonseiten der Behörde zunächst völlig routinemäßig behandelt worden, jedoch gab es unter den Lehrerkollegen allgemein wenig Verständnis. Nach der Rückkehr an die Schule wurden mir dann so viele Steine in den Weg gelegt, dass ich mich regelrecht aus dem Job gemobbt fühlen musste. Da meine Probleme dann auch von behördlicher Seite ignoriert wurden und sich der tägliche Kampf negativ auf meine Gesundheit auswirkte, habe ich die Ausbildung abbrechen müssen. So bin ich nun als »fauler Sack« gebrandmarkt und bleibe relativ perspektivlos zurück. Erschreckend bleibt für mich, dass ausgerechnet dort, wo neue Generationen zu mehr Gleichheit erzogen werden sollen, verkrustete Strukturen und Anschauungen den Fortschritt verhindern.

DRESDEN STEPHAN DÖGE

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