Faunisches Getrampel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 75 / 100

BÜCHER Faunisches Getrampel

Eckhard Henscheid: »Roßmann, Roßmann ... Drei Kafka-Geschichten«. Haffmanns Verlag, Zürich; 276 Seiten; 25 Mark.
• aus DER SPIEGEL 49/1982
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Noch einmal überschneite Kafka gleichwohl Wehmut. Italien war Spitze, bon. Die Büchsen waren schwer okay. Soweit war alles klar. Kühn goß sich Kafka einen neuen Roten scharf hinter die Binde. Trotzdem, irgend jemand hätte warnen, ihm abraten, ihn fest am Kragen halten müssen.« Kein Zweifel: Eckhard Henscheid, 41, hat wieder zugeschlagen.

Der Autor der »Trilogie des fortlaufenden Schwachsinns« und Mitarbeiter des »endgültigen« Satire-Magazins »Titanic«, der Kafka hier bei der Verfilmung seiner »Landarzt«-Geschichte beschreibt, nimmt sich auch des Prager Dichters auf respektlos-parodierende Weise an. Franz nämlich verflucht seine Freunde Max Brod, Oskar Baum und Felix Weltsch, die ihn vor dem Film-Fiasko hätten warnen müssen, als »schwul-verwichste Troika«.

Aber es ist schon zu spät. Also bricht ein 20köpfiges Team - 5 Stars einer Prager Wasserballmannschaft sind mit von der Partie - in Richtung Apulien auf, um an der Adria »die Schneesymbolik adäquat durch unheimliche Hitze, also praktisch Tropen, zu transportieren bzw. also zu transponieren«.

Während die Film-Story ihre Effekte aus verrückten Montagen bezieht (Beispiel: »Der Scheusalsvögel faunisches Getrampel, sie ist die wahre Herzenskunde"), spielt die unverschämte Fortsetzung des »Amerika«-Fragments mit dem »oft leicht abgewandelten Zitat bis hin in die Nähe des Plagiats«.

»Amerika«-Held Karl Roßmann, bei Henscheid bereits 18jährig und mit dem »Naturtheater« auf Tournee, wartet die bevorstehende Auflösung seiner Bläsertruppe gar nicht erst ab, sondern fährt noch einmal nach New York, wo er nicht, wie bei Kafka, als Liftboy im »Hotel Occidental« unterkommt, sondern als Bürobote im »Wienerwald«. Die Klofrau, die Roßmann den Job und dazu gleich die Frau fürs Leben vermittelt, hat natürlich »etwas Oberköchinnenhaftes an sich«. Denn Ähnlichkeiten mit dem Original sind beabsichtigt.

An den niveauvollen Quatsch dieser literarischen Anspielungen reicht der Vier-Promille-Stammtischmonolog »Der Mann, der nicht bumsen wollte« zwar nicht ganz heran. Aber mit diesem Parlando allein hätte sich der neugegründete Zürcher Haffmanns Verlag einen bemerkenswert fröhlichen Start angetan.

Zur Ausgabe
Artikel 75 / 100

Mehr lesen über