Fehler
Die personalpolitischen Differenzen zwischen Bundeskanzler - Außenminister Dr. Konrad Adenauer und dem Personalchef des Auswärtigen, Dr. Wilhelm Haas, sind durch die von Adenauer vor seinem Urlaub verfügte und während seines Urlaubs ausgeführte Ablösung von Dr. Haas zugunsten des Ministers entschieden worden. Als besonders verhängnisvoller Fehler der bisherigen Personaldispositionen gilt die Tatsache, daß ein diplomatischer Vertreter für
Aegypten noch nicht ernannt worden ist, das als erstes Land den Kriegszustand mit Deutschland beendet hat und für die Bundesrepublik von besonderer handelspolitischer Bedeutung ist. Als weiterer Fehler in der Ernennungspraxis gilt die Tatsache, daß die Vertreter der Bundesrepublik bei rivalisierenden Ländern - wie Indien und Pakistan oder Argentinien und Brasilien - nicht gleichzeitig ernannt wurden, wodurch Verstimmungen hervorgerufen worden sind.
Adenauer hat mitten im personalpolitischen Streit seinen Bürgenstock-Urlaub angetreten, ohne die ihm dringend nahegelegte Ernennung einer Reihe von Funktionären des auswärtigen Dienstes vorzunehmen, deren Einsetzung für die Handelspolitik der Bundesregierung wichtig gewesen wäre. Vierzig dieser Ernennungen waren vom Haushalts-Ausschuß des Bundestages bereits gebilligt worden, bei weiteren sechzig wäre sie chne Schwierigkeiten zu erlangen gewesen. Durch die Verzögerung ist besonders die Empfindlichkeit der jungen Nahost-Staaten verletzt worden, die eifersüchtig über ihre Gleichberechtigung in Etikette-Fragen wachen.